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Stoffstück unter dem Nähfuß: Was Fußlümpchen unverzichtbar macht

01.06.2022 von Sabine Schmidt

Stoffstück unter dem Nähfuß: Was Fußlümpchen unverzichtbar macht

Ein Stoffstück unterm Nähfuß – wofür ist das eigentlich gut? Ich nenne dir gute Gründe, warum und wann so ein unter den Nähfuß geklemmtes Fußlümpchen sinnvoll sein kann.

Was macht das Stoffstück unter dem Nähfuß?

Viele kennen diese Angewohnheit von Müttern und Großmüttern: Die legten nämlich ein Stoffstück mit vielen Nähten drauf unter den Nähfuß. Ein Fußlümpchen ist nichts anderes als ein mehrfach gefaltetes Stoffstück, das unter dem gesenkten Nähfuß eingeklemmt wird.

Aber welchen Sinn hat so ein Stoffstück unter dem Nähfuß eigentlich? Du wirst überrascht sein, welche cleveren Funktionen so ein Fußlümpchen haben kann.

Schon meine Mutter hatte die Gewohnheit, nach dem Beenden ihres Nähprojekts Stoffstück unter dem Nähfuß zu fixieren. Mit dem Handrad senkte sie zusätzlich die Nadel. Das Lümpchen war übrigens ewig alt und wurde niemals ausgetauscht. Heute glaube ich, es war so eine Art Näh-Talisman meiner Mutter. :)

Ein Stoffstück unter dem Nähfuß entlastet

Als ich selbst mit dem Nähen "ernst machte", verzichtete ich zunächst auf das Stoffläppchen. Aber irgendwann fiel mir auf, dass immer, wenn meine Nähmaschine aus der Wartung kam, wieder eins unter den Nähfuß geklemmt war.

Ich fragte nach (man will ja nix falsch machen) und hörte den schönen Satz: "Ein Lümpchen entlastet das System!"

Konnte ich mir jetzt erstmal gar nichts drunter vorstellen. Und hakte nach. Über die Fülle an Informationen war ich dann doch ganz schön überrascht.

"Damit Sie wissen, dass die Maschine funktioniert!"

Sagte der Mechaniker. Das Fußlümpchen ist also eine Art Tätigkeitsnachweis. Wenn meine Maschine aus der Wartung kommt und ein Läppchen mit Stichproben unter dem Fuß liegt, bedeutet das: Die Nähmaschine wurde getestet, die Einstellungen stimmen, alles ist okay.

Ich gebe übrigens alle meine Maschinen einmal im Jahr in die Wartung. Dabei wird nicht nur die gesamte Technik kontrolliert und verschlissene Teile getauscht. Die Maschine wird auch gereinigt. Und zwar an Stellen, an die ich nicht einmal herankomme, wenn ich die Stichplatte abnehme. :)

Die Federn im Nähfuß leiern aus

Ich erfuhr außerdem auf Nachfrage, dass der Nähfuß mit einem Federmechanismus versehen ist. Und dass Federn durchaus ausleiern können. Auch wenn sie aus modernen Metall-Legierungen bestehen.

Um die Feder zu schonen, sollte sie sich entspannen können. Dafür wird der Nähfuß gesenkt.

Früher war es so, dass die Nähfüße aus wesentlich weicherem Metall bestanden als heute. Um die empfindliche Unterseite zu schonen, die mit dauerhaftem Druck auf dem Transporteur lastet, wurde ein Läppchen untergeklemmt.

Auf diese Weise ist der Federmechanismus entspannt und die Sohle des Füßchens geschützt.

Moderne Nähfüße zerkratzen nicht?

Technisch gesehen hat sich seit den Tagen unserer Großmütter vieles getan, wirst du jetzt denken. Womöglich ist es gar nicht mehr notwendig, ein Stoffstück unter den Nähfuß zu legen? Nähfüße zerkratzen doch nicht, oder?

Um es vorweg zu nehmen: Doch, tun sie. So sieht der Nähfuß meiner ein Jahr alten Juki aus:

Na, fällt dir was auf? Genau. Die Abschürfungen auf der Unterseite kommen vom ständigen Druck des Transporteurs. Weil ich eben immer darauf verzichtet habe, ein Lümpchen unterzulegen. Wieder was gelernt.

Die Tortur der Teflonfüße

Was für metallene Nähfüße gilt, gilt umso mehr für Füßchen, die aus weicheren Materialien gestehen. Nehmen wir zum Beispiel den Teflonfuß. Der besteht aus Kunststoff. Wenn seine Sohle und die scharfen Zähnchen des Transporteurs dauerhaft gegeneinander gedrückt werden, können sich mit der Zeit Querrillen in die Unterseite drücken.

Stoffstück unter den Nähfuß legen beim Teflon-Nähfuß

Wenn du also (wie ich) auch gern mit dem Teflonfuß arbeitest, sollte das Lümpchen künftig dein treuer Begleiter werden.

Lies hier meinen ausführlichen Blogbeitrag über Nähfüße und ihre Verwendung.

Wie entstehen Scharten im Nähfuß?

Tja, das ist die Preisfrage, oder? Schauen wir uns das Ganze mal genauer an.

Also: Transporteur und Nähfuß haben eine unterschiedliche Härte, weil sie unterschiedliche Aufgaben erfüllen.

Was bedeutet das genau?

Der Transporteur ist verchromt und gehärtet. Das macht die Zähnchen widerstandsfähig und haltbar. Das müssen sie auch sein, schließlich haben sie den wichtigen Job, den Stoff zuverlässig von vorn nach hinten zu transportieren (beim Rückstich zwischendurch auch mal von hinten nach vorn, aber du weißt, was ich meine, stimmt's?).

Der Nähfuß ist nicht verchromt, er braucht eine glatte Oberfläche, um sich nach jedem Stich leicht vom Stoff lösen zu können. Deshalb besteht er aus einer anderen Materialzusammensetzung als der Transporteur.

Wenn also zwei Materialien mit unterschiedlichen Härtegraden fest zusammengepresst werden (Nähfußdruck – schon mal gehört, oder?), dann wird das weichere nach und nach dem Anpressdruck des härteren nachgeben.

Und genau das ist meinem Nähfüßchen passiert.

Stoffstück unter dem Nähfuß

Stoffstück unter dem Nähfuß nimmt Öl auf

Die meisten modernen Nähmaschinen müssen nur wenig und dann sehr vorsichtig geölt werden.

Es gibt aber durchaus Hersteller, deren Maschinen vor der ersten Benutzung grundlegend und gründlich geölt werden sollten. Bei Bernina-Maschinen ist das zum Beispiel so.

Lies dazu gerne mal meinen Testbericht zur Bernina-Nähmaschine.

Wichtig ist, die beweglichen Teile zu ölen (nach Bedienungsanleitung natürlich). Zum Beispiel den Bereich des Nadelhalters. Jetzt kommen wir der Sache schon näher, stimmt's?

Also: Das Öl ist flüssig, läuft womöglich am Nadelhalter herunter. Und landet – na, wo denn wohl? Genau. Auf dem brandneuen Jersey, aus dem du dir gerade dein neues Lieblings-T-Shirt nähen wolltest. Schade Marmelade.

Wenn du also eine Maschine hast, die regelmäßig geölt werden muss, solltest du nach dem Ölen das Läppchen unterlegen. Es saugt überschüssiges Öl auf und rettet so dein neues T-Shirt (und deine Stimmung).

Fußlümpchen goes Staubfänger

Aber das Stoffstück unter dem Nähuß kann noch mehr: Es dient gleichzeitig als Staubfänger.

Wie ich das meine? Also: Der Transporteur ist mit tiefen Rillen versehen. In den Zwischenräumen kann sich wunderbar Staub sammeln. Wir wissen ja, dass elektrische Teile (wie die Nähmaschine) Staub und Flusen magisch anzieht. Das liegt an der statischen Aufladung der Oberfläche.

Im Bereich des Transporteurs kann dieser Staub sich richtig gut festsetzen und sammeln. So sehr, dass dort richtige kleine Filzpolster entstehen. Irgendwann fragt man sich, warum die Nähte so össelig aussehen. Und wenn man dann mal genauer hinschaut: Ooops!

Um den Rillen ein Staub-Päuschen zu gönnen, ist so ein Fußlümpchen also Gold wert.

Lesetipp: Nähmaschine reinigen und ölen

Stoffstück für Nahttests

Willst du es dir jetzt auch zur Gewohnheit machen möchtest, deinem Nähfuß durch das Fußlümpchen ein bisschen Entlastung zu gönnen? Dann kommen hier noch ein paar gute Gründe, warum das eine gute Entscheidung ist.

Du kannst das Stoffstück wunderbar für Testnähte verwenden. Ohne die sollte es sowieso niemals losgehen. Natürlich ist es wichtig, eine Probenaht auf dem Stoff zu machen, den du tatsächlich vernähen willst.

Aber eine erst Testnaht um zu prüfen ob alles soweit korrekt ist – dafür eignet sich das Fußlümpchen hervorragend.

Fußlümpchen goes Hebamme

Kennst du das Problem der vermasselten Nahtanfänge? Die Nadel tritt auf der Stelle, es bildet sich ein Fadenknäuel und am Schluss wird die Stoffkante unrettbar in die Stichplatte gezogen. Ätzend, oder?

Damit Nahtanfänge sauber genäht werden, kannst du wie folgt vorgehen: Lege ein Stoffstück (in unserem Fall das Fußläppchen) hinten unter den Nähfuß. Und zwar genau an die Stoffkante des Stoffes, den du verarbeiten möchtest.

Dann startest du auf dem Fußlümpchen mit dem Nähen. Und nähst dann einfach weiter auf deinem "richtigen" Stoff. Hier kannst du auch vor- und zurücknähen um die Naht zu verriegeln.

Auf diese Weise bekommst du blitzsaubere Nahtanfänge.

Du kannst das Lümpchen auch doppelt, dreifach und vierfach falten um die benötigte Stoffdicke zu erreichen.

Das Prinzip nennt sich übrigens "Hebamme". Ich zeige es dir auch in meinem Beitrag Über dicke Stellen nähen.

Stoffstück unter dem Nähfuß

Läppchen goes Erinnerungsfunktion

Nach einer Nähpause hast du vergessen, welche Nadel in der Maschine ist? Dann nimm doch als Läppchen einfach ein Stück deines zuletzt vernähten Stoffs. Wenn es ein Jersey ist, kannst du dir (je nach Vorliebe und Gewohnheit) sicher sein, dass du eine Jersey-Nadel eingesetzt hattest.

Ein Stück Baumwoll-Webware würde auf eine Universalnadel hinweisen. :)

Kennst du eigentlich meinen Blogbeitrag Alles über Nähmaschinen-Nadeln?

YouTube-Video Stoffstück unterm Nähfuß

Fazit: Lieber mit Lümpchen

Hätte ich mir die Unterseite meines Nähfüßchens mal genauer angeschaut, wäre ich schon früher drauf gekommen: Ab sofort gibt's bei mir nur noch Nähpausen mit Fußlümpchen.

Meine wirklich wundervolle Juki (lies hier den Testbericht zur Juki UX-8) ist es wert, dass ich mich ganz lieb um sie kümmere. Und dazu gehört ab sofort auch, dass ich ein Stoffstück unter dem Nähfuß platziere.

Ich bin ja lernfähig. ;)

Übrigens: Falls du auch gerne was lernen möchtest, dann buch doch meinen Online-Nähkurs! So macht Nähen lernen Spaß, versprochen.

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