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Über dicke Stellen nähen: Kein Grund, zu verzweifeln!

16.12.2017 von Sabine Schmidt

Über dicke Stellen nähen: Kein Grund, zu verzweifeln!

Über dicke Stellen nähen: Ich liebe mein Hobby. Aber machmal bringt es mich zur Verzweiflung. Nämlich dann, wenn ich über dicke Stellen nähen muss! Deshalb zeige ich dir heute, mit welchen Tricks ich diese Aufgabe gemeistert habe!

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Beim Nähen kommt irgendwann immer der Moment, in dem man über dicke Nähte und wulstige Stellen nähen muss
  • In diesem Beitrag zeige ich dir verschiedene Möglichkeiten, wie du ganz entspannt über dicke Stellen nähen kannst
  • Viele der benötigten Materialien zum Glätten der Nähte hast du sowieso schon zu Hause, wie z. B. ein Bügeleisen oder einen Hammer
  • Es gibt ein paar kleine Helfer, die teilweise bei Lieferung der Nähmaschine dabei sind, oder auch gekauft werden können, diese stelle ich dir ebenfalls in diesem Beitrag vor

Dicke und wulstige Stellen beim Nähen bezwingen: gar nicht so einfach!

So toll aufwendige verstürzte Taschen-Projekte oder selbstgenähte Kleidung und eigenhändig gekürzte Jeans mit Kappnaht auch sind: Irgendwann kommt der Moment, in dem man fluchend wie ein Bierkutscher vor der Nähmaschine sitzt und sie am liebsten aus dem Fenster flämmen möchte.

Ich spreche von dem Moment, in dem man über dicke Nähte und wulstige Stellen nähen muss:

Der Nähfuß stellt sich schräg, die Nadel bricht ab, zuletzt ärgert einen ein Wust aus Fäden unter dem Stoff - die Katastrophe ist perfekt.

Über dicke Stellen nähen

Weil mich diese Herausforderung so viel Nerven gekostet hat, bis ich damit zurecht gekommen bin, habe ich in diesem Beitrag verschiedene Möglichkeiten zusammengestellt, mit denen du dieser trickreichen Näh-Aufgabe begegnen kannst.

Noch mehr Tipps zum Thema dicke Stoffe nähen habe ich natürlich auch für dich! Darin bekommst du 10+ Tipps, die wirklich weiterhelfen (und die Basics für das Verarbeiten dicker Materialien).

Über dicke Stellen nähen - so geht's!

Bügeln

Eigentlich eine ganz schlichte Geschichte - aber man denkt manchmal vor lauter Verzweiflung gar nicht dran: Die wulstigen Stellen nähen geht oft viel einfacher, wenn man sie vorher mit viel Dampf gründlich gebügelt hat. Das Bügeln glättet die Nähte, während der Dampf das Gewebe weicher macht.

Wichtig: Beim Bügeln die Nahtzugaben auseinander bügeln: Das macht die Nähte zusätzlich flacher!

Über dicke Stellen nähen

Hammer

Flacher machen - das ist überhaupt das Stichwort. Es kann helfen, ein paarmal tüchtig mit dem Hammer auf die Naht bzw. die dicke Stelle zu schlagen. Am besten vorher ein Bügeltuch drüber- und eine Korkplatte unterlegen.

Achtung: Du solltest nicht auf demselben Tisch hämmern, auf dem auch deine Nähmaschine steht. Die mag die Erschütterung nicht so besonders.

Über dicke Stellen nähen

Hebamme/Hebeplatte/Ausgleichsplatte

Die Nähmaschinenhersteller wissen ja um das Problem, dass sich dicke Stellen nicht gut nähen lassen oder dass die Nähmaschine wulstige Anfänge gar nicht bewältigen kann.

Über dicke Stellen nähen

Aus diesem Grund werden manche Maschinen serienmäßig mit so genannten Ausgleichsplatten geliefert. Das sind einfache Kunststoff-Platten, die unter den hinteren Teil des Nähfußes geschoben werden und dort dafür sorgen, dass der Fuß waagerecht steht.

Denn das ist der Knackpunkt: Wenn der Nähfuß schräg vor der Wulst steht, gelingt der Stofftransport nicht.

Mit einer ausreichend dicken Nadel näht die Nähmaschine bei waagerechtem Nähfuß meist aber auch dicke Stellen problemlos.

Die praktischen Ausgleichsplatten werden auch manchmal Hebamme oder Hebeplatte genannt.

Gemeint ist aber immer dasselbe. Die Hebamme kann je nach Ausführung einfach oder doppellagig sein, sodass man direkt zwei verschiedene Höhen managen kann.

Der Vorteil dieser Ausgleichsplatte gegenüber der selbst konstruierten: Man kann die Platte weit unter den Nähfuß schieben, er stabilisiert den Nähvorgang auch von den Seiten, nicht nur hinter dem Nähfuß.

Das Clevere ist: Man kann den Ausgleich vor und hinter dem Nähfuß anlegen.

Ausgleichsplatte selber machen

Das ist natürlich auch kein Problem! Statt eine Hebamme zu bestellen, kannst du dir einfach selbst eine basteln. Sie wird hinter die Nadel unter den Nähfuß gelegt und sorgt dort für den nötigen Ausgleich.

Als selbstgemachte Hebeplatte eignet sich zum Beispiel:

  • ein mehrfach gefaltetes Stoffstück
  • ausrangierte Bankkarten
  • eine/mehrere Lagen Moosgummi
  • eine/mehrere Lagen Filz
  • ein Nadeldöschen
  • ein Stück Pappe
  • ein Stück Kork
Über dicke Stellen nähen

Meiner Erfahrung nach ist es am sichersten, ein Material zu nehmen, das die Nadel schadlos durchschlagen kann. Aus diesem Grund habe ich immer ein paar Stücke Filz in unterschiedlicher Stärke in Reichweite.

Mit dem oben gezeigten Nadeldöschen ist die Gefahr groß, dass man versehentlich ins Plastik näht. Und dann ärgert man sich nicht nur über die dicke Stelle sondern auch über die abgebrochene Nadel.


Nahtzugaben einkürzen

So simpel wie genial: Bevor du über die dicke Stelle nähst, solltest du die Nahtzugabe der Naht etwas einkürzen.

Das geht selbstverständlich nicht bei einer Kappnaht, die du dadurch beschädigen würdest. Aber für viele Taschenprojekte ist das eine sehr effektive Lösung.


Reißverschluss-Zähnchen ausschneiden

Eine knifflige Stelle beim Taschen-Nähen ist meistens der Übergang zwischen Futter und Außenseite, wenn es über den Reißverschluss zu nähen gilt.

Wenn du den Reißverschluss schön eingefasst hast, kannst du an dieser Stelle die Zähnchen ein bisschen einkürzen, sodass sie nicht mehr im Bereich der Außennaht stören.

Eine gute Alternative ist es auch, den Reißverschluss zu versäubern und so anzupassen, dass er gar nicht in der Naht liegt. Diese Technik habe ich zum Beispiel bei meinem Schminktäschchen Nanami angewendet.

Über dicke Stellen nähen

Nähfußhaltestift

Vielleicht hast du dich schon mal gefragt, wofür der kleine schwarze Knopf seitlich am Nähfuß gedacht ist.

Er nennt sich Nähfußhaltestift oder auch "Nivelliertaste".

Wenn er nicht gedrückt ist, lässt sich der Nähfuß bewegen:

Über dicke Stellen nähen

Wird der schwarze Knopf gedrückt, steht der Nähfuß fest in waagerechter Position:

Über dicke Stellen nähen

Er "nivelliert" also dicke Stellen, er gleicht sie aus. So hat die Maschine genug Kraft, dicke Stellen zu nähen, ohne am Wulst hängen zu bleiben.

So funktioniert der Nähfußhaltestift

Der Trick ist nun folgender: Hebe den Nähfußhebel an und schiebe den Stoff, den du nähen willst, unter den Nähfuß. Und zwar so, dass der Nahtanfang direkt vor der Nadel liegt.

Dann hältst du den Nähfuß in der Waagerechten, während du gleichzeitig das Knöpfchen drückst und den Nähfuß auf den Stoff senkst.

Der Nähfuß steht dann fest waagerecht, kann entspannt geradeaus nähen und der Stofftransport funktioniert auch, weil der Nähfuß nicht "blockiert".

Wenn du den Nähfuß wieder hebst, schnippt der Federmechanismus, mit dem der schwarzen Knopf ausgerüstet ist, zurück und der Nähfuß ist wieder beweglich.

Wichtig beim Kauf eines neuen Nähfußes: Schau unbedingt, ob der Nähfuß (also der Zickzackfuß) mit Nivelliertaste ausgestattet ist. Dann bist du auf der sicheren Seite!

Das erfordert vielleicht beim ersten Mal ein bisschen Übung, wird dir aber, wenn du es öfter ausprobiert und gemerkt hast, wie praktisch es ist, leicht von der Hand gehen.

Nebenbei hast du ja auch wieder etwas über die Anatomie deiner Nähmaschine erfahren! ;)


Happy simple sewing,

deine Sabine

Häufige Fragen

Warum schafft meine Nähmaschine es nicht, dicke Anfänge zu bewältigen?

Die Nähmaschinenhersteller wissen ja um das Problem, dass sich dicke Stellen nicht gut nähen lassen oder dass die Nähmaschine wulstige Anfänge gar nicht bewältigen kann.
Aus diesem Grund werden manche Maschinen serienmäßig mit so genannten Ausgleichsplatten geliefert. Das sind einfache Kunststoff-Platten, die unter den hinteren Teil des Nähfußes geschoben werden und dort dafür sorgen, dass der Fuß waagerecht steht. Wenn man so eine Platte nicht hat, kann man sie auch selber machen. Wie das geht, zeige ich dir in diesem Beitrag.

Wie kann ich beim Taschen-Nähen den wulstigen Übergang zwischen Futter und Außenseite nähen?

Wenn du den Reißverschluss schön eingefasst hast, kannst du an dieser Stelle die Zähnchen ein bisschen einkürzen, sodass sie nicht mehr im Bereich der Außennaht stören.
Eine gute Alternative ist es auch, den Reißverschluss zu versäubern und so anzupassen, dass er gar nicht in der Naht liegt

Wie bekomme ich dicke Stellen glatter, um besser drüber nähen zu können?

Die wulstigen Stellen nähen geht oft viel einfacher, wenn man sie vorher mit viel Dampf gründlich gebügelt hat. Das Bügeln glättet die Nähte, während der Dampf das Gewebe weicher macht.
Wichtig: Beim Bügeln die Nahtzugaben auseinander bügeln: Das macht die Nähte zusätzlich flacher!
Es kann auch helfen, ein paarmal tüchtig mit dem Hammer auf die Naht bzw. die dicke Stelle zu schlagen. Am besten vorher ein Bügeltuch drüber- und eine Korkplatte unterlegen und es keinesfalls auf dem selben Tisch machen, auf dem deine Nähmaschine steht - die mag diese Erschütterung nämlich gar nicht.

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