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Näh-Geschichten aus den USA: Besuch im Quilt-Shop

Von Sabine
Quillt Shop USA

Fast drei Wochen war ich in den USA um Neues über die dortige Näh-Szene zu lernen. Nachdem ich mich in lokalen Shops umgesehen und mit Kennern der Szene gesprochen habe, war ich echt überrascht, wohin der Näh-Trend in den USA geht.


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Bei meinen Recherchen habe ich zum Beispiel an den Ausläufern der Mojave-Wüste die sympathische Donna Moore getroffen.

Ihr Laden in einer Nebenstraße des kleinen Städtchens Kingman ist kaum zu verfehlen: Den Vorgarten zieren bunte Glasflaschen, wie große Mosaiksteine auf dem Boden ausgelegt.

Manche wie große gläserne Blumenkelche auf Stäbe gesteckt. Darin fängt sich das Sonnenlicht in allen Farben des Regenbogens.

Sobald man die Tür zu Donnas Quilt-Shop öffnet, geht es mit der Farbenpracht weiter.


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Überhaupt: Kingman? Wer kennt schon Kingman, Arizona?

Kingman ist zum Beispiel für Besucher des Grand Canyon ein guter Ausgangspunkt – den South Rim, also den südlichen Rand des Canyons erreicht man von hier in 2 – 3 Stunden. Tickets für den Skywalk, diesen furchterregenden Glasboden-Gang, gibt es überall auf dem Weg nach Kingman zu kaufen.

Aber auch Vegas-Reisende finden hier eine – meist üppige, fleisch- und kohlehydratreiche – Mahlzeit, überraschend gute Hotels und – in dieser einsamen Gegend super wichtig: Tankstellen!

Cineasten kennen Kingman vielleicht aus dem Film “Fear and Loathing in Las Vegas”, der zum Teil auf dem Flugplatz der Stadt gedreht wurde. Die Hualapai Mountains sieht man in Filmsequenzen von “Mars Attacks!”.


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Aber zurück zu Donnas Laden. Der ist glücklicherweise klimatisiert.

Draußen herrscht bei 43 Grad brüllende Hitze: Auf dem Weg zum Quilt Shop ist uns selbst das Atmen zuwider – diese heiße Luft in den Lungen – ungewohnt und unangenehm. Ein bisschen wie in der Sauna. Nur viel, viel trockener.


Die Näh-Begeisterten im Quilt-Shop scheint das gar nicht zu stören:

“Where do you store the Kaffe Fassets?”, fragt eine Kundin.

“In the room over there”, sagt Donna. Und mit einem verschmitzten Lächeln fügt sie hinzu: “The bright one!”

Und sie hat recht. Der hintere Raum: ein Schmuckstück. Vom Boden bis zur Decke voller wunderschöner Prints und Batiks von Kaffe Fasset. Diese Stoffe mag Donna ganz besonders.

Und auch Donna selbst ist ein Schmuckstück. Aus dem kalten Alaska ins wüstenartige, heiße Kingman verpflanzt, bringt sie hier Farbe und Glanz in viele Nähzimmer der näheren und weiteren Umgebung.

Ich werfe einen Blick auf die Preise der Fassett-Stoffe, die bei uns ja gerne schon mal um die 20 Euro kosten können. In den USA bekommt man sie häufig schon für 11 – 13 Dollar, also ca. 9,60 – 11,80 Euro. Natürlich werde ich auf der Stelle fürchterlich gierig! 🙂

Meine Kaffe-Fassett-Stoffe bestelle ich meistens hier. Das ist gut, weil ich dann einen Überblick über meine Ausgaben behalte. Und meist finde ich ja noch einen Stoff, der mir noch viel, viel besser gefällt als der im Warenkorb. Leider nehme ich meistens trotzdem beide. 😉


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Als ich sie auf meinem USA-Trip besuche, berichtet Donna stolz, sie habe eigens für ihre Kundinnen einen Reparatur-Kurs für Janome-Maschinen gemacht. In ihrem Laden stehen viele Janomes. Auf die schwört Donna.

Die Kundinnen, sagt Donna, hätten früher viele Stunden bis nach Falstaff oder Phoenix fahren müssen, wenn ihre Nähmaschinen kaputt waren.

Nun kommen sie in Donnas Laden in der 310 Oak Street. Bekommen ihre Reparatur – und immer auch ein Lächeln, ein Beratung und einen netten Plausch.


Auf die Frage, was sie besonders gern näht, zeigt Donna auf einen Mini-Quilt über dem Fenster: “It’s called Row by Row”, erklärt sie.

Die Row-by-row-Convention lobt in jedem Jahr ein Motto aus. Im letzten Jahr war es “Home Sweet Home”. Daraufhin sind viele Quilt entstanden, die das Thema “Zuhause” auf die vielfältigste Weise interpretieren.


In diesem Jahr lautet das Motto: “On The Go”.

Donnas Quilt zeigt ein violettes Auto und Donnas Haus. Dazwischen: Wegweiser zu unterschiedlichen Orten und Menschen, die in Donnas Leben eine Rolle spielen.

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In dem kleinen Kunstwerk über dem Fenster ist aber nicht nur ein Teil von Donnas eigener Lebensgeschichte enthalten. Es zeigt auch die Landschaft, die Kingman ausmacht:

Mit einer Einwohnerzahl von knapp 30.000 Menschen ist Kingman keine ganz kleine Stadt.

Im sonnigen Arizona (das mehr Sonnentage als Kalifornien vorweisen kann) zwischen Mojave-Wüste, Joshua Tree Nationalpark und Grand Canyon an der legendären Route 66 gelegen, ist in der heißen Jahreszeit – in der Natur genauso wie auf Donnas Quilt – kaum noch Grün zu sehen:

Das Gras ist gedörrt, die Erde duftet wie gebrannter, mit würzigen Kräutern versetzter Ton. Palmen und Kakteen wachsen an jeder Ecke. Diese Stimmung findet sich auch in Donnas kleinem Row by Row wieder.

Die Row by Row-Quilts sind in den USA sehr beliebt. Viele Quilter nutzen den Aufruf zum Themen-Nähen, um ganze Quilts herzustellen. Neun Rows – also Reihen – müssen zusammengefügt werden, um einen der begehrten Themen-Quilts herzustellen. Dann kann man damit in einen der teilnehmenden Shops gehen und das Kunstwerk einfassen und quilten lassen.

Auch in Donnas Laden, den sie sie 2014 betreibt, kommen die Kunden mit ihrem persönlichen Row by Row. Dann wirft Donna ihre Langarm-Quilt-Maschine an und macht aus den Rows (und aus allem, was ihre Kunden ihr bringen) wundervolle Quilts.


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Viele der so entstehenden farbenfrohen Unikate werden für caritative Zwecke gespendet – das nennt sich dann “Charity Quilts”. “Für Veteranen zum Beispiel”, erzählt Donna. Oder für kinderreiche Familien.

Donna berichtet, dass die Herstellung von Quilt-Decken in den USA häufig einem sozialen Aspekt folgt. Anders als bei uns ist man in den USA stolz auf Kriegshelden und Veteranen. Oft wird ihnen für ihren Einsatz öffentlich gedankt – in Amerika ist das Teil der nationalen Identität. Und dafür spendet man dann auch gerne mal einen wertvollen Quilt.

Besonders, weil das amerikanische Gesundheitssystem kein sehr gutes ist. Obama Care ist kurz davor, gekippt zu werden. Und viele Veteranen haben mit körperlichen, noch mehr wohl auch mit psychischen Problemen zu kämpfen. Posttraumatische Belastungsstörungen, Depressionen, Drogen, Alkohol, Medikamenten-Abhängigkeit: Die Palette der Erkrankungen, die die Kriegseinsätze mit sich bringen, ist lang und verstörend.


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Das marode Gesundheitssystem der USA ist nicht in der Lage, eine ausreichende medizinische Versorgung für alle zu gewährleisten. Das gilt auch und vor allem für die Veteranen, kinderreiche Familien, Menschen unterhalb der Armutsgrenze.

Hier wollen Organisationen wie die Quilters Conventions, aber auch lokale Näh-Gruppen helfen.

Diese Form der Unterstützung benachteiligter Menschen, betont Donna, habe in den USA eine lange Tradition.


Donna liebt das Nähen: Wenn sie einen Quilt fertigstellt, dann mit dem Gefühl, etwas zu vollenden, die ihr gegebenen Talente für etwas Schönes einzusetzen.

Allerdings muss sich Donnas Näh-Eifer auf abends und wochenends konzentrieren. Im Laden kommt sie kaum zum Nähen, es gibt immer so viel zu tun! Sie würde gern viel mehr nähen – bevor sie mit dem Quilt Shop gestartet ist, hatte sie viel mehr Zeit zum Nähen.

Wenn sie sich jetzt an die Nähmaschine setzt, hat sie oft das Gefühl, etwas für den Laden nähen zu müssen. Da bleiben die persönlichen Quilt-Vorlieben sicher manchmal ein wenig auf der Strecke. 😉


Bevor ich gehe, bitte ich Donna noch, mir ein paar besonders typische Stoffe mit auf den Weg zu geben:

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Über die ultrafeinen Stecknadeln mit Glaskopf (mein Fazit: s. u.) sagt Quilt-Profi Donna: “I love this one!”

Und den rostroten Print mit türkisfarbenen Salamandern sowieso (“So bright and colorful!”).

Finde ich auch!

Thanks so much, Donna!

I’ve learned a lot.

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Happy simple sewing,

Sabine


P.S.: Donna hat auch eine Facebook-Seite! Dort teilt sie gerne Neuigkeiten aus dem Shop und aus der Quilters-Community.

Falls ihr in der Nähe seid, weil ihr zum Beispiel den Grand Canyon besuchen wollt, lohnt sich auch ein Besuch ihres süßen Quilt-Shops. Ihr findet ihn unter dieser Adresse: Donnas Quilt Shop, 310 E Oak St, 86401 Kingman.


P. P. S.: Nachdem ich die zweifarbigen Quilting Pins von Clover jetzt ausprobiert habe, muss ich sagen: Ich liebe sie auch. Die Stecknadeln sind sehr dünn, gleiten wunderbar durch den Stoff – und das Beste: Der Glaskopf ist hitzeresistent.

Nachdem ich schon so viele meiner heißgeliebten Blümchen-Kopf-Stecknadeln (ebenfalls von Clover) via Bügeleisen verschmurgelt habe, finde ich die Glaskopf-Lösung wundervoll! Uneingeschränkte Kauf-Empfehlung!


P. P. P. S.: Interessieren dich Näh-Geschichten? Dann lies doch mal, wie ich zum Nähen gekommen bin!


P. P. P. P. S.: Wir haben auch tolle Näh-Deko aus den USA mitgebracht. Die hat uns echt umgehauen. Schau mal!

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