Hauptseite Nähen lernenAnfänger-Tipps Stoff kräuseln, rüschen, einhalten, einreihen: So geht’s ganz easy!

Stoff kräuseln, rüschen, einhalten, einreihen: So geht’s ganz easy!

Von Sabine

Rüschen, Einhalten, Kräuseln und Einreihen von Stoffen: In dieser Anleitung zeige ich dir, wie du diese Grundtechniken auch als Anfänger anwenden kannst.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Einhalten/Einreihen bedeutet, eine längere Stoffkante durch Kräuseln auf die gewünschte Länge einzukürzen
  • Rüschen sind dekorativ geraffte Stoffstreifen, die an Kleidung, Taschen, Accessoires oder Deko angenäht werden
  • Man kann alle drei Techniken mit der Hand, der Overlock oder der Nähmaschine anwenden

Viele Nähprojekte haben als kleines Extra Rüschen oder Puffärmel. Und oft muss man auch, zum Beispiel, wenn man einen Ärmel aus Webware einsetzen möchte, die Armkugel ein wenig „vorbehandeln“, indem man sie sanft einhält, damit die gerundete Ärmelkante gut in den Armausschnitt passt. Für diese Fälle sind die in dieser Anleitung beschriebenen Techniken perfekt.

In diesem Beitrag zeige ich dir, wie das Einhalten, Einreihen, Kräuseln und Rüschen mit der Overlock, der Nähmaschine und mit der Hand funktioniert. Und keine Sorge: Es ist echt easy!

Einreihen, Einhalten und Rüschen mit der Nähmaschine

Mit der Nähmaschine ist es ganz einfach, Stoffkanten durch kräuseln auf die gewünschte Länge zu bringen oder in Fältchen zu legen. Aber auch hier gibt es unterschiedliche Methoden. Am besten, du probierst aus, was für dich am einfachsten und bequemsten ist und bleibst erstmal dabei, bis du dich sicher fühlst. Oder bis du Lust hast, dich in das nächste Lern-Abenteuer zu stürzen.

Grundsätzlich bedeutet Einreihen, Einhalten, Einkräuseln oder Rüschen: Eine längere Stoffkante durch Zusammenziehen auf die gewünschte/benötigte Länge zu bringen oder um Mehrweite zu verringern. Zum Beispiel bei einem gerundeten Saum. Da ist die Strecke an der äußeren Saumkante ja länger als weiter innen.

Die Definition der einzelnen Begriffe ist schwierig, weil die Übergänge fließend sind. Hier kommt meine Begriffserklärung:

  • Einhalten: Bezieht sich eher auf das sanfte Verkürzen einer Stoffpartie, zum Beispiel einer Armkugel, um das gleichmäßige Einsetzen in einen Armausschnitt vorzubereiten
  • Einreihen: Eine Stoffkante wird in winzige unregelmäßige Fältchen gelegt, um sie auf die gewünschte Länge zu bringen
  • Einkräuseln: Meint dasselbe, hier sind die Fältchen allerdings deutlicher zu erkennen, es wird mehr „Stoffstrecke“ zusammengezogen
  • Rüschen: Sind regelmäßig oder unregelmäßig in Falten gelegte Stoffstreifen, die im Fadenlauf zugeschnitten werden. Man kann sie zwischen zwei Stoffteilen einnähen oder auch auf dem Oberstoff aufnähen.

Oft ist die gewünschte Länge eine zweite Stoffkante, an die das gerüschte Stoffstück angenäht werden soll. Auf dem Foto siehst du ein breites Ärmelteil, das wir durch Einkräuseln an den Kanten so verkürzen, dass wir es problemlos einnähen können.

Ich zeige dir in diesem Kapitel verschiedene Möglichkeiten, diese Nähtechnik mit der Nähmaschine zu managen. In den meisten Fällen werde ich in der Anleitung einfach „Einkräuseln“ oder „Kräuseln“ schreiben.

Einkräuseln mit der Nähmaschine und Elastikband

Schauen wir uns zuerst an, wie das Einkräuseln mit einem Elastikband funktioniert. Ich verwende für diese Technik meistens 5 oder 6 Millimeter breites Framilastic. Das ist schmal genug um in der Nahtzugabe zu verschwinden.

Ich schneide das Framilastic auf die Länge der Stoffkante zu, auf die die längere eingekürzt werden soll:

Markiere die Mitte des Framilastic-Streifens mit einem Kuli (Stoffmarkierstift hält auf dem gummiartigen Material nicht gut).

Nähen mit Framiliastic

Stecke die markierte Mitte des Elastikbandes an die Mitte der Stoffkante, die du einkräuseln möchtest.

Stoff mit Framilastic einkräuseln

Lege die Stoffkante mit der linken Seite nach oben unter den Nähfuß und richte den Anfang des Elastikbands bündig an der Stoffkante aus.

Nähe ein paar Stiche mit Geradstich um das Band zu fixieren.

Stoffkanten mit Elastikband rüschen

Dehne dann das Band gleichmäßig und achte darauf, dass es bündig an der Stoffkante liegt. Beim Dehnen kannst du die Mittelmarkierung greifen. Falls deine Stoffkante länger ist, teilst du einfach beide Strecken z. B. in Viertel auf.

Jetzt nähst du das Elastikband an die Stoffkante.

Wenn du an der Mittelmarkierung ankommst, führst du die Enden des Elastikbandes zusammen, dehnst es wieder und nähst es an die zweite Hälfte der Stoffkante. Anschließend kräusele ich die untere Stoffkante genauso ein.

So sollte es jetzt aussehen:

Jetzt kann ich die Stoffkanten rechts auf rechts zusammennähen.

Gerüschte Kante an eine glatte Stoffkante nähen

So sollte es jetzt aussehen:

Eingenähter, gerüschter Ärmel

Einkräuseln mit der Nähmaschine und Geradstich

Hier kommt eine Methode, mit der du den gleichen Effekt erzielen kannst. Sie eignet sich auch wunderbar zum Einhalten von Armkugeln.

So wird’s gemacht: Stelle einen langen Geradstich an deiner Nähmaschine ein, Stichlänge zum Beispiel 5 Millimeter. Bei manchen Maschinen funktioniert diese Methode besser, wenn du die Oberfadenspannung etwas lockerst. Das musst du einfach mal ausprobieren. Ich behalte bei meiner Juki UX8 (lies gerne auch mal meinenTestbericht: Juki HZL-UX8: Test und Erfahrungsbericht | Was diese Nähmaschine ausmacht) die Grundeinstellung bei, das funktioniert perfekt.

Nähe zwei parallele Nähte innerhalb der Nahtzugabe. Dabei bleiben die Anfangs- und Endfäden lang.

Bei meiner runden Ärmelkante habe ich einfach einmal drum herum genäht.

Stoffkanten mit einem Faden zusammenziehen

Achte bei der zweiten Naht darauf, dass sie die erste nicht überschneidet. Dann funktioniert das Zusammenziehen hinterher nicht so gut.

Fasse die Fadenenden des Unter- oder Oberfadens (kannst du dir aussuchen, macht keinen Unterschied) und ziehe den Stoff damit so weit zusammen, bis die Stoffkante die gewünschte Länge hat.

Verteile die Fältchen schön über die gesamte Strecke.

Jetzt kannst du beide Stoffkanten wieder rechts auf rechts stecken und zusammennähen.

Anschließend die Einhalte-Fäden aus dem Stoff ziehen.

Einkräuseln mit Zickzackstich und übernähtem Faden

Hier kommt ein toller kleiner Kniff, den du gerne auch mal ausprobieren kannst.

Dabei wird ein stabiler Faden (z. B. ein Stück Strumpfwolle oder Stickgarn) mit Zickzackstich übernäht.

Stoffe einkräuseln

kräuseln

Auch hier bleiben die Enden wieder lang, damit du sie zum Kräuseln gut fassen kannst.

Achte darauf, dass die Nadel nicht in den Wollfaden einsticht.

Stoffkante mit einem Faden einkräuseln

Jetzt kannst du die Fadenenden fassen und den Stoff nach Belieben einkräuseln.

Nach dem Zusammennähen wird der Wollfaden einfach entfernt.

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Kräuseln mit dem Kräuselfuß der Nähmaschine

Das Kräuseln mit dem Kräuselfuß funktioniert ebenfalls ganz einfach.

So sieht der Kräuselfuß aus:

Kräuselfuß

Lege die Stoffkante, die du kräuseln möchtest, unter den Nähfuß und nähe mit einem Geradstich.

Stoffkante mit dem Kräuselfuß einkräuseln

Der Clou an diesem Füßchen: Du kannst mit ihm auch zwei Stofflagen zusammennähen. Eine bleibt dabei glatt, die andere kräuselt sich. Dafür werden die beiden Stofflagen rechts auf rechts zusammengelegt.

Die obere Kante schiebst du in die Aussparung im Nähfuß, die untere liegt unter dem Nähfuß. Anschließend nähst du die Kante mit eine Geradstich ab. So sollte es dann aussehen:

Stoffe mit dem Kräuselfuß zusammennähen
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Einreihen, Einhalten und Rüschen mit der Overlock

Auch mit der Overlock kannst du Stoffe ganz einfach einkräuseln. Allerdings gelingt das nicht so präzise und berechenbar wie bei oben gezeigten Techniken mit der Nähmaschine. Am besten schneidest du das Stoffstück, das du einkräuseln möchtest, großzügig zu und kürzt es dann auf die benötigte Länge ein.

Ohne Kräuselfuß mit dem Differenzial auf höchster Stufe sieht der Unterschied zwischen eingekräuselter und glatter Stoffkante so aus:

Stoffkanten mit der Overlock einreihen

Kräuseln mit dem Kräuselfuß der Overlock

Für die Overlock gibt es übrigens auch spezielle Kräuselfüße, die das Einkräuseln von Stoffen noch einfacher machen.

Beim Kräuselfuß meiner Babylock rechne ich mit einer Kräuselung von 1:2, das bedeutet, dass ich die Stoffkante, die ich kräuseln will, doppelt so lang zuschneide, wie die Stoffkante, an die ich sie nähen will. Der Kräuseleffekt verstärkt sich, wenn man Stichlänge und Differenzial zusätzlich erhöht. Vorab mache ich immer eine Nähprobe, damit ich mir sicher sein kann, dass alles so aussieht, wie ich es haben will.

Anschließend kann ich die zwei Stofflagen zusammenähen: Eine bleibt glatt, eine wird gekräuselt.

Einhalten mit der Overlock

Diese Technik ist absolut unverzichtbar, wenn du gerne Kleidung mit runden Säumen nähst. Warum? Hast du schon mal versucht, einen gerundeten Saum sauber umzustecken? Oft sieht das dann so aus:

Probleme beim Umbügeln von runden Säumen

Um die Stoffkante sauber umzubügeln, stellst du das Differenzial der Ovi auf 1,3 – 2 ein. Je nach Stärke der Rundung. Auch hier lohnt es sich, ein wenig auszuprobieren.

Overlock einstellen um das Differenzial zu erhöhen

Nähe anschließend die Stoffkante mit der Overlock ab.

Saum mit der Overlock einhalten

Du siehst schon beim Nähen, wie der Stoff sich einzieht, oder? So sollte es jetzt aussehen:

Runden saum mit der Overlock einhalten

Jetzt kannst du die Kante ganz entspannt umbügeln:

runden Saum bügeln

Das anschließende Feststeppen des Saums ist echt ein Kinderspiel.

Runden Saum einhalten

Zwei Stofflagen mit der Overlock kräuseln und zusammennähen

Mit derselben Näheinstellung und Technik kannst du auch zwei Stofflagen in einem Arbeitsschritt zusammennähen, sodass eine glatt bleibt und eine gekräuselt wird. Die gekräuselte Strecke ist wieder nicht genau zu bestimmen, um herauszufinden, wie stark sich die Kante verkürzt, habe ich sie mit einem Strich markiert.

Zwei Stofflagen kräuseln

Einkräuseln
Einkräuseln mit der Overlock

So sieht das Ergebnis dann aus. Das untere Stoffteil wölbt sich aufgrund der Kräuselung leicht.

Einkräuseln von zwei Stofflagen

Einreihen, Einkräuseln oder Einhalten mit der Hand

Du möchtest zurück zu den Basics und das Einkräuseln von Stoffkanten mit der Hand üben? Kein Problem! Hier stehen dir vielfältige Möglichkeiten zur Verfügung. In diesem Abschnitt zeige ich dir, wie es funktioniert und worauf es dabei ankommt.

Alles was du brauchst sind Nadel und Faden.

Webe den Faden in gleichmäßigen Abständen in die Stoffkante.

Achte drauf, dass die Fadenenden großzügig über die Stoffkante reichen, damit du sie zum Zusammenziehen gut fassen kannst.

So sollte es jetzt aussehen.

Fasse die Fadenenden und schiebe den Stoff so weit zusammen, wie du es für dein Projekt benötigst. Ich möchte die runde Stoffkante einhalten, damit ich sie bügeln und säumen kann.

Du siehst jetzt schon, wie sich der Saum nach innen rundet.

Jetzt kannst du ihn problemlos bügeln.

So sieht der fertig gebügelte Saum dann von der rechten Seite aus:

Rüschen nähen mit Overlock und Nähmaschine: Bilderanleitung

Rüschen verzieren Kleidung wie Blusen oder Schürzen, Deko wie Kissen oder Topflappen, Accessiores wie Taschen oder Buchhüllen und vieles mehr. Mit ihnen kannst du deinen Nähprojekten eine gehörige Portion Romantik verpassen. Dabei musst du gar nicht immer auf gekaufte Rüschen zurückgreifen. Du kannst sie ganz einfach selber machen.

So wird’s gemacht: Für eine aufgenähte Rüsche schneidest du einen ca. 5 – 7 cm breiten Stoffstreifen (z. B. Baumwollstoff oder Jersey) zu. Er sollte ungefähr doppelt so lang sein wie der Stoff, auf den die Rüsche appliziert werden soll.

Versäubere den Stoffstreifen an beiden Längsseiten mit der Overlock.

Nähe eine (oder zwei, wie oben gezeigt) Naht in der Mitte des Stoffstreifens. Stelle dafür einen langen Geradstich ein und verwende einen festen Faden. Ich nehme hier ein Jeansgarn, weil das schön reißfest ist.

Die Fadenenden fassen und den Stoff soweit zusammenschieben, dass der Streifen sich schön kräuselt. Er sollte gut auf den Oberstoff passen, auf den er genäht werden soll.

Die Rüsche auf den Oberstoff heften und mittig mit einem Geradstich festnähen.

Anschließend den Kräuselfaden herausziehen.

Variante: Rüsche zwischen zwei Stofflagen nähen

Du kannst auch einen Stoffstreifen zwischen zwei Stoffteile fassen.

Dafür kräuselst du den links auf links gefalteten Stoffstreifen mit der Overlock. Das Differenzial ist dabei auf maximales Zusammenziehen gestellt (bei meiner Babylock ist das Stufe 2).

So sollte es jetzt aussehen:

Stecke die vorbereitete Rüsche zwischen zwei Stofflagen und nähe die Kante ab.

So sollte es jetzt aussehen:

Variante 3: Doppelte Rüsche an eine Stoffkante annähen

Für diese Variante bereitest du wieder eine doppelt links auf links genähte Rüsche vor. Diesmal nähst du sie aber einfach an die Stoffkante:

Anschließend kannst du den Stoff wie gewünscht weiterverarbeiten.

Du hast jetzt Lust bekommen, deine neu erworbenen Fähigkeiten umzusetzen?

Dann ist unser Schnittmuster Maris genau das Richtige dafür.

Oder möchtest du lieber eine Bluse mit raffiniert gefältelten Ärmeln nähen? Dann schau dir unbedingt mal Charlie an!

Hat dir dieser Beitrag weitergeholfen? Dann schreib gerne einen Kommentar. Darüber würde ich mich echt freuen.

Happy simple sewing

deine Sabine

Kräuseln

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Einhalten, Einkräuseln und Rüschen?

Die Unterschiede sind fließend, meist ändert sich die Bezeichnung der durch Kräuseln verkürzten Stoffkante aufgrund der Fältelung. Also: Starke Fältelung bezeichnet man eher als Rüsche, während eine kaum wahrnehmbare Verkürzung der Stoffkante eher als „Einhalten“ bezeichnet wird.

Wie kann man Stoffkanten einkräuseln?

Du kannst dafür die Nähmaschine oder die Overlock verwenden. Es ist aber auch möglich, Stoffkanten mit der Hand einzukräuseln.

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2 Kommentare

Christine Manzl 30. November 2021 - 10:58

Hallo Sabine,
wieder mal ein sehr informativer Beitrag. Was mir sehr gut gefällt ist, dass Einkräuseln mit Zickzackstich und dem darunter liegendem Faden mit der Nähmaschine. Hier stelle ich es mir auch einfacher vor, eine exakte Kräuselung hin zu bekommen.
Vielen Dank und gerne mehr solche Info´s. 🙂
LG Christine

Antworten
Sabine 1. Dezember 2021 - 9:07

Freut mich, dass dir der Beitrag gefällt, liebe Christine.
Ganz lieben Dank für das Feedback. 🙂

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