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Nahtanfang nähen: Tipps & Tricks

Von Sabine

Nahtanfang nähen: Gerade der Beginn einer Naht kann dir mit Fadensalat, Knubbeln und Knäueln unterm Stoff die Laune verderben. Ich zeige dir, was du dagegen tun kannst.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Fadensalat oder Fadenknäuel am Nahtbeginn können verschiedene Gründe haben
  • In diesem Beitrag verrate ich dir die besten Tipps für einen schönen Nahtanfang
  • Es hilft, die Maschine regelmäßig zu reinigen
  • Nadel und Stich sollten zum Projekt passen
  • Denke daran, die Maschine regelmäßig in die Wartung zu geben

Das Knubbel-Komplott

Kennst du das auch? Fiese Knubbeln, Knäuel oder Fadensalat am Nahtanfang? Hat sich deine Maschine gegen dich verschworen?

Aber nein, keine Sorge. In diesem Beitrag verrate ich dir alle meine Tipps & Tricks, damit deine Nahtanfänge künftig perfekt werden.

Nahtanfang nähen: Die Gründe für Fadensalat

Fadensalat, als Stoffknäuel unter dem Stoff können verschiedene Ursachen haben. Wenn du magst, kannst du diesen Beitrag als Checkliste verwenden um das Problem einzugrenzen und zu beheben.

Fadenknäudel

Das Problem der Fadenknubbel am Nahtanfang kommt oft bei Maschinen vor, die einen automatischen Fadenabschneider haben.


Fadengeknubbel durch automatischen Fadenabschneider

Solche Fadenknäuel können entstehen, wenn du den automatischen Fadenabschneider deiner Nähmaschine nutzt. An sich eine gute Sache.

Aber wenn es um sichtbare Nahtanfänge geht, also welche, die am fertig genähten Projekt gut zu sehen sind, lohnt es sich, den Faden nicht abzuschneiden sondern lang zu lassen.

Was passiert, wenn du den Fadenabschneider benutzt?

Der Unterfaden bleibt unter der Stichplatte. Wenn du mit dem Nähen startest und vernähst, muss sich der Oberfaden erst mal darum bemühen, den Unterfaden hoch zu holen. Damit er sich mit ihm verbinden kann.

Beim Vernähen näht die Maschine nochmal über die hochgeholten Fäden und das Geknubbel ist komplett…

Das ist übrigens kein Defekt der Nähmaschine: Meine brandneue (und wunderbar zuverlässige) Juki macht das ebenso wie meine Janome


Nahtanfang nähen: Fadenprobleme durch schlechtes Garn

Auch minderwertiges Nähgarn kann zu Fadensalat führen, weil es stärker zum Fusseln und Aufspleißen führt als hochwertiges. Hier zum Vergleich:

Nähte reißen

Lies dazu auch mal meinen Blogbeitrag über Nähte, die zum Reißen neigen.


Ober- und Unterfaden aus dem gleichen Garn

Manche Nähmaschinen reagieren allerdings darauf, wenn Ober- und Unterfaden nicht aus dem gleichen Garn bestehen. Es ist also keine Sparmaßnahme, wenn du den Unterfaden mit schlechtem oder billigem Garn bestückst. Im Gegenteil. Und wer sagt überhaupt, dass der Unterfaden, nur weil man ihn auf der Oberseite nicht sieht, weniger wichtig ist als der Oberfaden? 🙂


Unterfadenspule schartig oder defekt

Gelegentlich kann es vorkommen, dass man bei besonders schwierigen Nähten oder festen Materialien die Unterfadenspule beschädigt. Weil die Unterfadenspule aus Kunststoff besteht, können sich mit der Zeit kleine Scharten bilden.

Diese Scharten, also Unebenheiten oder hakige kleine Erhebungen, können die Funktion der Unterfadenspule beeinträchtigen. Sollten sich also trotz der genannten Tipps weiterhin Knubbel unter dem Stoff zeigen (oder gar die gesamte Naht knubbelig und uneben sein), solltest du dir die Unterfadenspule einmal genauer anschauen. Und ggf. auch austauschen.

Wichtig: Die Unterfadenspule ist meist nur als Original-Bauteil zu haben. Was durchaus Sinn macht. Welche Spule du für deine spezielle Maschine benötigst, erfährst du aus der Bedienungsanleitung. Dort ist meist auch eine Artikelnummer hinterlegt, damit du auch das korrekte Ersatzteil nachbestellen kannst.


Nähmaschine nicht richtig eingefädelt

Eine nicht korrekt eingefädelte Maschine kann ebenfalls zu Fadenknubbeln führen. Wie deine Maschine eingefädelt wird, entnimmst du am besten der Bedienungsanleitung.

Auch wenn du deine Maschine schon länger besitzt, lohnt sich ein gelegentlicher Blick in die Anleitung. Manchmal wird man da echt noch überrascht… 😉


Die Maschine wurde länger nicht gereinigt

Wenn die Maschine verflust oder staubig ist, kann sie nicht einwandfrei arbeiten. Staub und Fadenreste hindern die Unterfadenspule daran, sich ungehindert zu bewegen. Stelle sicher, dass die Maschine regelmäßig gereinigt wird. Das ist ganz besonders wichtig nach der Verarbeitung von Stoffen, die viele “Reste” hinterlassen wie zum Beispiel Wollstoffe wie Walk oder Fleece.

In meinem Beitrag Nähmaschine reinigen und pflegen bekommst du die passenden Tipps dazu.


Die Nadel passt nicht zum Stoff

Früher habe ich die vielen Nadelarten für Geldschneiderei der Nähmaschinen-Industrie gehalten. Mit der Zeit bin ich allerdings dahinter gekommen, dass es einen wirklichen Unterschied macht, genau zu schauen, welche Nadel für welchen Stoff geeignet ist. Das ist nicht immer nur eine Sorte: Jersey zum Beispiel lässt sich je nach Stoffqualität mit Jersey, Stretch oder Superstretch-Nadeln verarbeiten.

Hier kannst du einfach mal ausprobieren, was für welchen Stoff am Besten passt. Das ist ein Tipp, den du ohnehin immer beherzigen solltest: Immer zuerst ein Probestück nähen. Dann kannst du sicher sein, dass alles passt.

Mehr Infos über die verschiedenen Nähmaschinen-Nadeln und ihre Verwendung findest du in meinem Blogbeitrag dazu.


Die Stichwahl passt nicht zum Stoff

Es kann vorkommen, dass spezielle Stoffe nach einem speziellen Stich verlangen. Auch hier solltest du immer zuerst an einem Stoffrest ausprobieren, welcher Stich auf dem Stoff am besten aussieht. Probiere den Stich unbedingt auch auf dem zweilagig genähten Stoff auf und klappe die Stofflagen auseinander.

Dann kannst du beurteilen, ob der Stich auch von der rechten Seite gut aussieht.


Nahtanfang nähen und stabilisieren

So richtig schlimm sind die Nahtanfänge oft bei weichen oder flutschigen Stoffen. Dann wird der Stoff manchmal mit den ersten Stichen in die Stichplatte gezogen. Um dort ein unentwirrbares Geknubbel aus Stoff und Fäden zu bilden.

Wenn dir das passiert: Sofort stoppen, die Stichplatte herausnehmen und die Fäden vorsichtig mit dem Nahttrenner lösen ohne den Stoff zu beschädigen.

Damit dir das künftig nicht mehr passiert: Stabilisiere den Nahtbeginn ganz einfach mit einem Stück Papier, Backpapier oder Stickvlies. Am besten funtkionert alles Papierartige, das sich anschließend sauber abreißen lässt. Auch das solltest du an eine Probestück testen.

Hier gilt: Je feiner die Naht, also je kürzer die Stiche, desto mehr wird das Papier perforiert. Und desto leichter lässt es sich ablösen. Das ist besonders bei feinen Stoffen wichtig.

Du kannst dieser Herausforderung dadurch begegnen, dass du am unterlegten Nahtanfang die Stichlänge verringerst. Wenn du dann über das Papier hinweg genäht hast, kannst du auf deine geplante Stichlänge umschalten. Wichtig dabei: Ändere die Stichlänge nicht mit der Nadel im Stoff. Auch das kann zu Fadensalat führen, wenn deine Maschine sensibel dafür ist… 🙂

Fadenknäudel

Lies dazu gerne auch mal meine Tipps zum Nähen von Viskose und anderen rutschigen Stoffen.


Nähfuß-Ausgleich am Nahtbeginn

Knubbelige Nahtanfänge haben oft ihren Ursprung in einem zu großen Unterschied zwischen Stoffniveau und Stichplatte. Der Nähfuß stellt sich schief, der Stoff wird nicht transportiert und die Nadel näht auf der Stelle.

Hilf deinem Nähfuß dabei, den Nahtanfang zu bewältigen. Das kannst du zum Beispiel mit einem Stück zusammengefalteten Stoff tun, der genauso hoch ist wie dein Nahtanfang.

Man nenne das eine “Hebamme”. Dabei steht der Nähfuß schön waagerecht: Hinten auf dem zusammengerollten Hebammenstoff, vorne auf dem Nahtbeginn. Und dort sollte die Nadel auch auftreffen.

Übrigens muss eine Hebamme nicht immer aus Stoff bestehen. Du kannst auch zum Beispiel auch ein Nadeldöschen verwenden. Wenn du häufiger dicke Nahtanfänge nähst, kannst du auch zwei oder mehr Nadeldöschen zusammenkleben. Dann hast du immer die richtige Ausgleichshöhe zur Hand.

Über dicke Stellen nähen

Eine gute Alternative zur Hebamme ist die Nivelliertaste. Nie gehört? Lohnt sich aber! Vielleicht ist die aufgefallen, dass der Standard-Nähfuß so einen kleinen schwarzen Knopf hat. Das nennt sich Nivelliertaste. Weil sie dabei hilft, das Stoffniveau zu nivellieren. Also auszugleichen.

Über dicke Stellen nähen

Was so kompliziert klingt ist im Grunde super einfach. Hebe den Nähfuß auf Stoffniveau an, drücke die Nivelliertaste und senke den Nähfuß mit gedrückter Taste.

Das Ergebnis: Der Nähfuß steht fest und waagerecht auf dem Nahtanfang. Jetzt kannst du mit dem Nähen loslegen. Sobald sich das Stoffniveau ändert, weil du zum Beispiel den Saum oder die dicke Stelle hinter dir gelassen hast, löst sich die eingerastete Taste von selbst und der Fuß ist wieder frei beweglich.

In meinem Beitrag über das Nähen von dicken Stellen gehe ich auf dieses Phänomen nochmal ausführlicher ein. Klick dich gerne mal rüber.


Maschine warten lassen

Auch eine nicht perfekt arbeitende Nähmaschine kann dafür sorgen, dass sich Fadenknäuel bilden. Und zwar nicht nur am Nahtanfang sondern auch zwischendrin.

Deshalb mein Tipp: Gib die Nähmaschine regelmäßig in die Wartung. Übers Jahr fallen viele Stückchen von abgebrochenen Nadeln, Fadenreste und Stoffschnipsel in die Maschine. Die erwischt man einfach nicht alle mit Stausauger, Pinsel und Pinzette.

Nähmaschine reinigen

Deshalb ist es gut, der Nähmaschine 1 – 2 x im Jahr eine Wellnesskur zu spendieren. Viele Stoffgeschäfte vor Ort bieten professionelle Wartungen an. Einfach mal nachfragen. So eine Wartung kostet zwischen 40 und 100 Euro. Falls was repariert werden muss geht das natürlich extra.

Deine Nähmaschine und deine Nahtanfänge werden es dir danken, versprochen.


Faden festhalten am Nahtanfang

Mein letzter Tipp ist gleichzeitig mein wichtigster: Wenn deine Maschine zu Geknubbel und Fadensalat am Anfang neigt: Halte den Oberfaden fest, wenn du mit dem Nähen beginnst.

Bei manchen Maschinen ist es sogar notwendig, Ober- und Unterfaden festzuhalten. Je nach Maschine solltest du die Fäden im rechten Winkel vom Nähfuß weg oder unter dem Nähfuß durch nach hinten ziehen. Schau einfach mal, was bei deinen Nähten das beste Ergebnis bringt.

Fadenknäuel

Nach ein paar Stichen kannst du die Fäden loslassen und entspannt weiter nähen.

Dieser kleine Trick kann übrigens auch helfen, dass feine Stoffe nicht in der Stichplatte verschwinden. Probier’s mal aus!

Hier siehst du nochmal den Unterschied: Vorne habe ich die Naht ohne Festhalten des Fadens begonnen. Daneben siehst du den Nahtbeginn mit Festhalten. Schon ein Unterschied, oder? 😉

Fadenknäuel

Haben dir meine Tipps weitergeholfen? Verrate mir gerne in den Kommentaren, ob du auch Probleme mit dem Nahtanfang hast.

Happy simple sewing, deine Sabine

Fadenknäuel

Häufige Fragen

Wie kann ich Fadensalat vermeiden?

Du solltest deine Nähmaschine regelmäßig reinigen und zur Wartung geben. Nadel und Stoff sollten zusammen passen, ebenso das Stichbild. Es hilft bei den meisten Nähmaschinen auch sehr, wenn die Fäden am Nahtbeginn festgehalten werden.

Woher kommen Fadenknäuel am Nahtanfang?

Oft liegt das daran, dass Nadel und Stoff nicht zusammen passen. Oder dass der Oberfaden bei den ersten Stichen nicht festgehalten wird. Auch die Voreinstellung des automatischen Fadenabschneiders kann zu diesem Problem führen.

Nahtanfang richtig nähen, wie geht das?

Es ist wichtig, den Nähfuß auf die Höhe des Nahtanfangs zu bringen. Das kannst du mit der Ausgleichstaste deines Nähfußes erreichen. Oder mit einem Stück zusammengefalteten Stoff. Es hilft auch, ein Stück Papier oder Stickvlies unterzulegen um den Stoff zu stabilisieren.

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14 Kommentare

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14 Kommentare

Sabine 7. Januar 2021 - 12:12

Da meine Maschine einen Fadenabschneider hat arbeite ich mit ‘Faulenzern’. Ein kleines Stückchen Stoff auf dem ich starte und ende und dann auf die eigentliche Arbeit wechsle. Ebenso dient dieses Stück Stoff als ‘Pausenstreifen’ wenn ich Endlosketten nähe.

Antworten
Sabine 7. Januar 2021 - 12:39

Vielen Dank, das ist echt ein guter Tipp!

Antworten
Birgit 7. Januar 2021 - 9:58

Liebe Sabine,
vielen Dank für die tollen Tips.
Liebe Grüße
Birgit

Antworten
Sabine 7. Januar 2021 - 12:40

Freut mich, danke!

Antworten
Ute Dumke 6. Januar 2021 - 18:51

Liebe Sabine, Du hast wieder tolle Hilfestellung geleistet. Ich profitiere immer von Deinen Anregungen.
Vielen Dank und LG

Antworten
Hanna 6. Januar 2021 - 21:14

Liebe Ute, das ist ein schönes Kompliment, vielen lieben Dank dafür!

Antworten
Jutta Stützle 6. Januar 2021 - 18:46

Jetzt weiß ich nach vielen Nähjahren endlich, wie man das Knöpfchen am Nähfuß benutzt 😀
Auch der Papiertipp ist super 👍
Danke, liebe Sabine!

Antworten
Hanna 6. Januar 2021 - 21:15

Sehr gerne, das ist wunderbar, liebe Jutta!

Antworten
Anke 7. Januar 2021 - 10:18

Ich nähe schon so viele Jahre, selber beigebracht, und bin echt erstaunt das ich soviel noch gar nicht weiss . Vielen Dank für die tollen Tips.

Antworten
Sabine 7. Januar 2021 - 12:39

Sehr gerne!

Antworten
Heike Hein 6. Januar 2021 - 17:19

Wieder einmal sehr hilfreich. Habe schon soviel von dir gelernt, liebe Sabine. Bitte mach weiter so… vielen lieben Dank.
Bleib gesund.
Grüße aus Ludwigshafen

Antworten
Nicole Moritr 6. Januar 2021 - 16:53

Mier reist immer der oberfaden

Antworten
Bärbel Seifert 5. Januar 2021 - 21:22

Ich glaube, das Geknuddel am Nahtbeginn liegt auch manchmal am Transporteur. Ich habe mir angewöhnt, den Nähfuss etwas weiter auf den Stoff zu stellen und zuerst rückwärts zu nähen. Das hilft meist!
Zur “Hebamme” habe ich noch eine Ergänzung. Es gibt den “Geburtshelfer”! Ein Plastestück, das 2 unterschiedlich dicke Seiten hat und unter die Nadel geschoben werden kann. Ich verwende ihn allerdings meist bei dicken Nähten, über die man drüber nähen muss.

Antworten
Sabine 6. Januar 2021 - 7:36

Guter Hinweis, Bärbel, vielen Dank!

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