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Nähen lernen: Schnittmuster kopieren – so geht’s!

Von Sabine
Schnittmuster kopieren

Schnittmuster kopieren: Du hast dir ein Schnittmuster gekauft. Jetzt möchtest du das Schnittmuster kopieren? Kein Problem.  In diesem Beitrag lernst du, wie man ganz einfach Schnittmuster abpausen kann!


In diesem Beitrag erkläre ich dir, wie das geht und was du brauchst, um den Schnitt stressfrei vom Schnittbogen zu übertragen!

Natürlich könntest du deinen Lieblingsschnitt direkt aus dem Schnittbogen ausschneiden und loslegen. Aaaber…

…stell dir vor, du benötigst (wie mir das öfter geht) eine andere Kleidergröße? Dann hast du den teuren Schnitt, aber keine Möglichkeit, ihn in einer anderen Größe nähen zu können.

Also ist Kopieren die Lösung.

Ich stelle dir in diesem Beitrag zwei Methoden vor, die beide für mich gut funktionieren. Wobei ich die Abpaus-Methode bevorzuge, wenn viele Markierungen vom Schnitt zu übertragen sind.


Schnittmuster kopieren


Um den Schnitt vom Schnittbogen zu übertragen benötigst du:

Für Methode 1: Transparentes Papier

Um Schnittmuster abzupausen nehme ich sehr gerne das Original: Schwedisches Transfer-Papier. Das ist weich, schmiegt sich gut an Papier und Stoff an, lässt sich mit Stecknadeln pinnen und knautscht nicht wie “normales” Papier. Bleistift nimmt es außerdem sehr gut an, sodass man ohne viel Druck die Schnittteile vom Schnittbogen abzeichnen kann.

Das Schwedische Transfer-Papier kommt in 1 Meter breiten Rollen mit 10 Metern Lauflänge. So sieht es aus:

Alternativ funktionieren auch ganz normales Seidenpapier oder die Endrollen aus der Zeitungsherstellung ganz gut. Einfach mal in der Druckerei nachfragen!

Wenn du Seidenpapier verwenden möchtest, achte darauf, die glatte Seite auf den Schnittbogen und die stumpfe nach oben zeigen zu lassen. Auf der stumpfen Seite zeichnet es sich besser und die reflektiert nicht.

Sehr gerne benutze ich auch das halbtransparente Schnittmusterpapier von Prym. Das lässt sich richtig gut (und mit vielen Stiftarten) beschriften und ist reißfest. Damit habe ich auch beim Aufbewahren der Schnitte sehr gute Erfahrungen gemacht.


Alternative: Architektenpapier für Schnittmuster verwenden? Das geht!

Architektenpapier wird manchmal auch Skizzenpapier genannt. Es ist ein festes, transparentes Papier, das sich bemalen, schneiden und bügeln lässt. Also ideal für unsere Zwecke, oder?

Das Papier kommt in einer Rolle von meist 10 Metern und ist mit 63 cm breit genug für die meisten Bekleidungsschnitte. Und da Tesa ebenfalls gut auf dem Papier haftet, kann man für größere Teile auch zwei Bahnen aneinander kleben.



Für Methode 2: Packpapier, Party-Tischdecke oder Ähnliches

Bei Methode 2 wird der Schnittbogen auf das Kopierpapier gelegt. Deshalb kannst du für diese Methode auch Papier verwenden, das nicht durchsichtig ist.


Schnittmuster kopieren mit Rädchen

Lange Zeit habe ich mich gefragt, wofür diese etwas antiquiert wirkenden Kopierrädchen da sind. Seit ich mich endlich traue, Kleidung zu nähen, weiß ich es. Man legt das Kopier-Papier unter den Schnittbogen. Dann radelt man mit dem Kopierrad die Linien der Schnittteile nach.

Ich habe ein Kopierrad “geerbt”, das allerdings schon reichlich abgenutzt war. Deshalb habe ich mir diesen Doppelpack bestellt. Die Kopierrad-Zähnchen machen dabei jeweils im Abstand von 2 und 4 Millimetern Markierungen. Der kürzere Abstand ist meiner Erfahrung nach prima für Stoff geeignet. Das Rädchen mt 4 Millimetern Abstand habe ich für Leder im Gebrauch, weil die langen Zähnchen dabei besser greifen.

Es entsteht eine Perforation, an der man das Schnittteil hinterher ausschneiden kann.

Achtung: Die Zähnchen des Kopierrads können richtig scharf sein. Um sicher zu sein, dass es keine Spuren in der Tischplatte hinterlässt, lege ich meine Schneidematte unter.

Dadurch liegt der Stoff auch besser und verrutscht nicht so leicht. Außerdem kann ich mich an der Skalierung der Schneidematte gut orientieren.

Das Kopierrad finde ich übrigens auch praktisch, wenn ich mal wieder eins meiner Lieblings-Shirts kopieren will! 😉


Bleistift

Ein weicher Bleistift eignet sich super um Abnäher und Markierungen vom Schnittmuster zu übertragen.


Kurvenlineal

Um Linien wirklich präzise folgen zu können, ist ein Kurvenlineal eine gute Idee!

Und das aus folgenden Gründen:

  • Ich benutze es, um das Kopierrad oder den weichen Bleistift sicher am Schnittmuster entlangzuführen
  • Mit dem Kurvenlineal halte ich das Schnittmuster-Papier an Ort und Stelle
  • Gleichzeitig drücke ich das Papier mit dem Lineal auf den Schnittbogen, sodass ich die Linien gut erkennen kann
  • Außerdem verhindert das Lineal, dass ich das Papier mit dem Bleistift “vor mir her” schiebe
  • Um Abnäher einzuzeichnen, drehe ich das Lineal um und benutze die gerade Seite

So sieht ein Kurvenlineal aus:

 


Den Schnittbogen verstehen

Je nachdem, wie viele Teile dein gewünschter Schnitt hat, solltest du dich zunächst informieren, welche Schnittteile dazu gehören. Dann suchst du dir die jeweils für dich passende Größe heraus. Die Größen sind auf dem Schnitt in unterschiedlichen Linien dargestellt. Achte beim Kopieren darauf, dass du immer der richtigen Größenlinie folgst. Das kann gerade im Ärmelbereich tricky sein, weil dort viele Linien zusammenlaufen.

Schau dir deinen gewünschten Schnitt auf dem Schnittbogen einmal genauer an. Enden manche Linien mit Pfeilen? Keine Angst! Das heißt nur, dass das Schnittteil größer ist als der Bogen. Nimm also die gerade Seite deines Kurvenlineals (du kannst natürlich auch ein Patchwork-Lineal benutzen) und verlängere die Linien in Pfeilrichtung. Leg dabei das Lineal wirklich an der Linie an, so dass die Linie keinen Knick macht!

Bei manchen Schnittmustern (meist bei etwas älteren) ist auch noch die Nahtlinie eingezeichnet. Falls du mit einem solchen Schnitt arbeitest, musst du auch die Nahtlinie übertragen.

Schnittmuster kopieren

Wenn sich auf dem Schnittbogen mehrere Schnitte befinden, sind sie nummeriert. Die Nummern finden sich nicht nur auf dem Schnitt selbst sondern auch am Rand des Schnittbogens wieder. Das hilft dir, deinen Schnitt zwischen den vielen verwirrenden Linien zu finden. 🙂

Um dir das spätere Kopieren einfacher zu machen kannst du das angepeilte Schnittmuster mit einem Filzstift oder Edding nachzeichnen. Allerdings rate ich davon ab, das freihändig zu tun. Ich benutze auch dafür das Kurvenlineal.

Außerdem schraffiere ich gerne die unterschiedlichen Teile eines Schnittmusters mit einem Textmarker, um den Überblick zu behalten.

Ganz wichtig ist, dass du beim Anzeichnen auch die Markierungen mit Filzstift nachzeichnest, damit du sie beim Übertragen nicht vergisst.


 

 

Schnittmuster kopieren – wie geht das?

Methode 1

Wenn dein Schnittbogen vorbereitet ist, kannst du das Transparent-Papier auflegen. Sicherheitshalber solltest du es mit ein paar Stecknadeln feststecken, damit beim Kopieren nichts verrutscht.

Dann folgst du mit Kopierrad oder dem Bleistift (sicher geführt vom Kurvenlineal) den Linien deines Schnittmusters. Übertrage anschließend mit Bleistift alle Markierungen, zum Beispiel Abnäher, Knöpflöcher oder Taschen.

Wenn du das Schnittmuster abzeichnest, genügen kurze, gestrichelte Linien. Es ist nicht nötig, den Schnitt in einer durchgezogenen Linie zu kopieren. Dadurch reduzierst du die Möglichkeit etwas, dass sich das Kopierpapier durch den Druck des Stifts verschiebt.

Beschrifte anschließend alle Teile, um später den Überblick nicht zu verlieren. Denk daran, auch die Laufrichtung des Stoffs mit einem Pfeil zu markieren! Das ist wichtig!

Informiere dich in der Schnittbeschreibung, ob die Nahtzugabe enthalten ist.


Schnittmuster kopieren


Methode 2

Als zweite Möglichkeit kannst du preiswertes Packpapier verwenden. Das legst du unter den Schnittbogen. Gut mit Stecknaeln feststecken.

Jetzt brauchst du wieder dein Kopierrad mit engen Zähnchen. Damit fährst du (wieder geführt vom Kurvenlineal) an den Schnittlinien entlang. Denk daran, auch Verlängerungen und Abnäher bzw. Markierungen mit dem Kopierrad abzuradeln. Durch die engen Zähnchen kannst du die Linien und Markierungen präzise übertragen.

Auch bei dieser Methode solltest du unbedingt darauf achten, alle Schnitteile direkt zu beschriften und die Laufrichtung einzuzeichnen.


Schnittmuster ausschneiden

Jetzt kannst du deine kopierten Teile ausschneiden. Hier musst du evtl. eine Nahtzugabe einberechnen, wenn sie noch nicht im Schnittmuster enthalten ist.

Nimm zum Ausschneiden unbedingt eine Papierschere – Stoffscheren dürfen nur Stoff schneiden. Sonst werden sie stumpf. 🙂

Fehlt dir jetzt nur noch der passende Schnitt? Wie wär’s mit meinem tollen Hoodie Guste?


 

Ein Wort zum Stoff, bevor du loslegst.

Fangen wir mit dem Stoff an: Er sollte nach Möglichkeit vorgewaschen und gebügelt sein.

Warum ist das so?

Baumwolle, Jersey & Co. laufen gerne bei der ersten Wäsche ein. Das bedeutet: Ein Kleidungstück, das du aus ungewaschenem Stoff genäht hast, kann durch das Waschen mehrere Zentimeter schrumpfen. Und ein paar Zentimeter können bei der Passform einen gewaltigen Unterschied machen.

Der frisch gewaschene Stoff sollte möglichst liegend trocknen dürfen. An der Wäscheleine wird der nasse Stoff aufgrund seines Eigengewichts unterschiedlich stark gedehnt und verzieht sich. Dadurch kann später die Passform deines genähten Teils leiden.

Beim Bügeln, gerade von Mischgeweben, sollte sich die Bügeltemperatur nach der empfindlichster Stoff-Faser richten.

Bügeln statt waschen?

Eine Alternative kann sein, dass du den Stoff von der linken linken Seite mit viel Dampf langsam bügelst. Dabei sollte der Stoff nicht geschoben oder gezogen werden sondern schön flach liegen – und auch liegend auskühlen dürfen.

Für den späteren Zuschnitt faltest du den Stoff der Länge nach und legst ihn mit den Webkanten zu dir flach ausgebreitet vor dich auf den Tisch. Vermeide es, den Stoff (vor allem Strick- oder Jersey-Stoffe) mit der Hand glatt zu streichen, weil auch dadurch Dehnstellen und damit Unebenheiten entstehen können.


Schnittmuster aufbewahren

Nachdem du dir mit deinen frisch ausgeschnittenen Schnittmuster so viel Mühe gegeben hast, solltest du sie jetzt auch ordentlich aufbewahren, um sie später wieder verwenden zu können.

Ich bastele mir zu diesem Zweck hübsche Schnittmuster-Manschetten aus alten Papprollen. Dann hab ich gleich noch was Gutes für die Umwelt getan. 😉


Schnittmuster kopieren


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🙂


Happy simple sewing,

deine Sabine

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4 Kommentare

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4 Kommentare

Gerli 7. Juni 2018 - 13:32

Tolle Tipps, vielen Dank.
Liebe Grüße
Gerli

Antworten
SewSimple 7. Juni 2018 - 16:57

Total gerne, liebe Gerli! 🙂

Antworten
Angi 15. September 2019 - 19:46

Sorry für den 1en Stern…hätten 5 Sterne sein sollen! Kann es leider nicht mehr ändern 😢
Vielen Dank für deine wertvollen Tipps! Lieb Grüsse Angi

Antworten
Sabine 15. September 2019 - 21:00

Hihihi, Angi, kann passieren!
Freut mich, dass dir meine Tipps weitergeholfen haben!
Lieben Gruß, Sabine

Antworten

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