Näh-Pannen

7 Näh-Pannen, die mir nie wieder passieren!

von Sabine Schmidt

Näh-Pannen können einem echt die Lust am tollsten Hobby aller Zeiten rauben, oder? In diesem Beitrag erfährst du, welche Näh-Fehler ich garantiert nie wieder mache. Und warum. 🙂

Es gibt echt Näh-Katastrophen, die macht man nur einmal. Okay. Bei manchen muss man richtig Lehrgeld bezahlen, wenn man sie ein zweites Mal begeht. Aber danach ist man kuriert.

Lass mich mal ein bisschen aus dem Näh-Kästchen plaudern und dir von meinen Erfahrungen mit Nähproblemen und Näh-Fehlern aller Art beichten, 🙂

Näh-Pannen

Zum Zusammenbrechen: Stoff nicht im Stoffbruch zugeschnitten

Beginnen wir direkt mit einem Lapsus, der mir bei ein und demselben Schnitt nicht nur ein sondern sage und schreibe ZWEIMAL passiert ist. Das muss man erstmal bringen. Zwei wunderschöne, edle Kleidungsstoffe total verbaselt und unrettbar dahin.

Was passiert ist: Ich habe das Schnittmuster aufgelegt, festgesteckt und beherzt drauflos geschnitten. Blöd nur, dass ich das Wörtchen “Stoffbruch” am Rand nicht beachtet habe. Also habe ich den angepeilten Kleiderschnitt zweilagig zugeschnitten. Und natürlich keine Nahtzugabe übrig gehabt, um die beiden einsamen Teile am Schluss noch zusammen zu fügen.

Was ich draus gelernt habe: Bei meinen Schnittmustern schreibe ich jetzt immer groß und deutlich “Stoffbruch” dran. Und übertrage die Markierungen nach Möglichkeit VOR dem Zuschnitt schon auf den Stoff. Und hoffe das Beste. 🙂

 

Zum Durchdrehen: Wendeöffnung zu klein gelassen

Auch so ein Klassiker, der mehr als nur Zeit raubt! Eine zu kleine Wendeöffnung strapaziert auch die Nerven, weil sie das Arbeiten so wahnsinnig frickelig macht. Schlimmer noch: Wenn dann endlich das Wendemanöver stattgefunden hat, ist die Schmink-Tasche, der Topflappen oder die Foldover zerknüllt, zerknautscht und total derangiert.

Ein trauriger Anblick für ein Näh-Projekt, auf das man lange hingearbeitet hat. Und auf das man eigentlich nur stolz sein will.

Was passiert ist: Tja, wiedermal die Anleitung nicht beachtet. Darin steht oft, wie groß die Wendeöffnung sein sollte. Das kann sich bei verstärkten Näh-Ideen auch um ein gutes Stück handeln. Schließlich soll ja das gesamte Volumenvlies (oder was auch immer) mitgewendet werden.

Was ich draus gelernt habe: Vor dem Zusammennähen nochmal überlegen: Genügen 5 cm Wendeöffnung wirklich zum Verstürzen? Oder doch lieber ein bisschen mehr um anschließend von innen auch noch die Ecken schön auszuformen?

Und falls es doch mal passiert, greife ich zum Nahttrenner und erweitere die Wendeöffnung ein kleines Stück. 😉

Näh-Pannen

 

Zum Ausrasten: Reißverschluss vor dem Verstürzen geschlossen

Die nächste Näh-Falle, in die ich getappt bin. Auch cool, wenn man beim Verstürzen der Kosmetiktasche feststellt, dass man nicht nur vergessen hat, den Reißverschluss zu öffnen. Sondern dass der Zipper auch noch bombenfest sitzt und sich von der linken Seite keinen Millimeter bewegen lässt.

Da bleibt oft nur noch auftrennen und fluchen wie ein Bierkutscher. Gut, dass du mich dann nicht hören kannst. 😉

Was ich draus gelernt habe: Bevor ich jetzt Taschen rundherum mit Stecknadeln zusammenstecke, öffne ich automatisch den Reißverschluss ein kleines Stück. Ich habe meine Lektion gelernt. Ehrlich. 😉Näh-Pannen

 

Nichts für schwache Nerven: Nach dem Zuschneiden verstärkt?

Ein Fehler, der mir zugegebenermaßen gerade am Anfang meiner “Näh-Karriere” häufig passiert ist. Weil es in den Anleitungen immer genau so erklärt wurde. Und an Anleitungen hält man sich doch, oder?

Okay, so richtig gut wurden meine Näh-Ergebnisse erst, als ich nicht mehr drauf gehört habe. Sondern meinen eigenen Weg gefunden habe.

Was passiert ist: Beim Aufbügeln der Vlieseline oder des Volumenvlies hat sich der akkurat zugeschnittene Stoff verzogen. Er schrumpft nicht nur von Dampf und Bügelhitze: Der heiße Kunststoff auf dem Vlies tut das seinige um aus einem perfekt zugeschnittenen Stoffteil einen krummen und schiefen Lappen zu machen. Okay: Einen verstärkten Lappen.

Was ich draus gelernt habe: Ich verstärke meine Stoffe grundsätzlich vor dem Zuschnitt. Ich bügele die Vlieseline voller Hingabe auf ein ausreichend großes Stück Stoff auf (diese kleine “Stoffverschwendung” zahlt sich aus, glaub mir!). Anschließend lasse ich den Stoff flach liegend auskühlen.

Danach kann zugeschnitten werden. Und zwar mit viel mehr Akkuratesse, weil der Stoff wesentlich griffiger ist. Durch die Verstärkung lässt er sich phänomenal verarbeiten. Ohne Verziehen, ohne Ausfransen. Einfach perfekte geschnittene Kanten.

Mein Extra-Tipp: Bei lappigen Stoffen, die nicht verstärkt werden, bekomme ich diesen Effekt durch ein paar Hub Fabric Booster. Man muss sich halt zu helfen wissen. 😉

Näh-Pannen

 

Zum Dahinschmelzen: Vlies mitgebügelt!

Ich bin mitten im schönsten Schaffensrausch und in der weihnachtlichen Reisbeutel-Groß-Produktion, alles läuft wie am Schnürchen. Und dann stinkt es plötzlich nach Plastik: Ich habe das Bügelvlies falsch herum auf den Stoff gelegt. Vlies verdorben, Bügeleisen unrettbar verloren.

Was passiert ist: Na, was wohl? Ich habe mich nicht überzeugt, dass die glänzende bzw. die Seite mit den kleinen rauen Noppen auf der linken Stoffseite liegt.

Ich habe es übrigens noch dadurch schlimmer gemacht, dass ich versucht habe, das Vlies vom heißen Bügeleisen zu kratzen. Gaaaanz falsch!

Was ich draus gelernt habe: Ist man jemals davor gefeit, das einem im Eifer des Gefechts so ein Missgeschick passiert? Wahrscheinlich nicht. Was man aber absolut niemals tun sollte, ist, das heiße Bügeleisen retten zu wollen.

Mein Tipp für alle Fälle: Bügeleisen ausschalten, auskühlen lassen und erstmal runterkommen.

Anschließend kannst du versuchen, das Vlies vorsichtig abzulösen. Denn auch das Vlies wird beim Abkühlen wieder fest. Und wenn du schnell genug das Bügeleisen ausschaltest, hat der Kunststoff weniger Gelegenheit, fest mit der Sohle des Bügeleisens zu verschmelzen.

Wenn das Bügeleisen kalt ist, ziehst du die Vlies-Reste ab, soweit es möglich ist. Anschließend reinigst du die Sohle mit Nagellackentferner. Der wird mit den meisten Vlies-Beschichtungen fertig. Was dann an Kunststoffresten übrig ist, wird durch den Nagellackentferner angelöst. Man kann sie dann ganz leicht mit einem kleinen scharfen Messer abnehmen.

Gerade bei beschichteten Bügeleisen hast du so eine reelle Chance, das kostbare Werkzeug zu retten. 😉

Kleiner Extra-Tipp: Ich habe für das Aufbügeln von Vlies immer zwei Bögen Backpapier in erreichbarer Nähe. Die werden beim Verstärken auf und unter den Stoff gelegt.

Denn es ist natürlich auch nicht so klasse, wenn das Vlies mit dem Bügelbrett verschmilzt. Spätestens beim nächsten Bügeln verdirbt der erneut schmelzende Kunststoff dir ein anderes Nähprojekt…

Näh-Pannen

 

Wer nicht misst, macht Mist: Kontrollkästchen kontrollieren!

Wie frustrierend ist das: Das neue Kleidungsstück ist fix und fertig! Und ich habe wirklich an alles gedacht: Die Nähte schon gebügelt, den Saum fein gemacht und sogar mein himmlisches Lieblingsstöffchen dafür angeschnitten. Und freue mich schon auf den einen Moment: Wenn ich zum ersten Mals das neue Kleid schlüpfen darf.

Okay. Ich schlüpfe also rein und siehe da: Es ist zu knapp. An der Brust, an den Hüften. Von den Armen ganz zu schweigen.

Unbrauchbar von oben bis unten. Was für eine Pleite!

Dabei hatte ich doch den Stoff vorgewaschen! Am Einlaufen kann es also nicht liegen. Sogar die Fertigmaßtabelle habe ich beherzigt und hast statt der erträumten 42 eine reelle 44 genäht.

Ich starre auf das Schnittmuster. Und dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen!

Was passiert ist: Ich habe ganz einfach die Druckereinstellungen aus der Nähanleitung nicht beachtet. Evtl. hat der Drucker das Schnittmuster ein wenig skaliert und abgeändert. Das kann bei Kleidungsstücken einen Riesen-Unterschied machen.

Was ich draus gelernt habe: Seit diesem Erlebnis messe ich Kontrollkästchen nach. Und zwar auf den Millimeter.

So eine Pleite passiert mir nie wieder. 😉

Näh-Pannen

 

Kein Durchblick: Arbeitsschritte nicht verstanden

Einer der schlimmsten Fehler, die ich gemacht habe und heute definitiv nicht mehr mache: Zu starten bevor ich den Arbeitsprozess einer Näh-Idee vollständig verstanden habe.

Was passiert ist: Früher habe ich das gemacht: Einfach erstmal zugeschnitten, die ein oder andere Naht gesteppt. Und dann festgestellt: Das funktioniert ja kein Stück!

Was ich draus gelernt habe: Heute nehme ich mir die Zeit, wirklich jeden Arbeitsschritt zu visualisieren. Mir die Reihenfolge der Anleitung genau vor Augen zu führen. Und ggf. für mein Verständnis anzupassen.

Denn mit der Zeit und der Näh-Erfahrung wächst auch das Verständnis dafür, wie Dinge funktionieren. Was man berücksichtigen muss oder welche Probleme auftauchen könnten.

Das entspannt: Ich sitze deutlich lockerer und gelassener an der Nähmaschine. Und mache deutlich weniger Fehler, ehrlich gesagt.

Eine Näh-Bekannte, die wirklich viel näht, hat mal berichtet, dass sie, sobald sie an der Nähmaschine sitzt, die Schultern bis zu den Ohrläppchen hochzieht und total angespannt ist, weil sie immer befürchtet, etwas falsch zu machen.

Mein Tipp: Probier’s mal aus, dein geplantes Näh-Projekt von Anfang bis Ende zu durchdenken. Du wirst nicht nur feststellen, dass das beruhigend ist. Vielleicht hast du sogar zusätzliche Ideen für coole Variationen oder hübsche Deko! 🙂

Man sieht es dem fertigen Teil am Schluss wirklich an, ob es mit heißer Nadel zusammengestoppelt wurde. Oder ob du dir was dabei gedacht hast.


Erzähl mir gerne in den Kommentaren von deinen schlimmsten Näh-Pannen! 🙂

Happy simple sewing,

deine Sabine

Näh-Pannen

 

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76 Antworten zu „7 Näh-Pannen, die mir nie wieder passieren!“

  1. Liebe Sabine,
    auf Deine Seite bin ich durch die Origamitasche gekommen (allerdings immer noch nicht genäht) … zum Thema Nähpannen hat mein Mann letztens den Begriff “Rückwärtsnähen” fürs Auftrennen geprägt. Hört sich doch wesentlich kreativer an oder?
    Ich werde mich demnächst mal an die Sterne-Tischsets wagen. Unsere “Christkind-Hilfe”, die auch gut verschickt werden kann, falls Weihnachten coronabedingt umgeplant werden muss.
    Liebe Grüße
    Petra

    1. Hallo Petra,
      hihi, dein Mann hat vollkommen Recht! Bei Häusern spricht man ja auch nicht mehr von
      der Abrissbirne sondern vom Zurückbauen. 😉
      Eine schöne Idee, die Tischsets zu verschenken.
      Liebe Grüße,
      Sabine

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