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Leder nähen: Die besten Tipps & Tricks!

Von Sabine
Leder nähen

In diesem Artikel erfährst du alles, was du wissen musst, wenn du mit Leder nähen willst. Übrigens: Alle unsere Tipps funktionieren auch bei der Verarbeitung von Kunstleder und Korkstoff!


Tipps und Tricks, um Leder zu nähen

Bist du auch ein Fan süßer Babyschuhe aus Leder? Wenn du die weichen Krabbelschuhe aus natürlich gefärbtem Leder nähst, können die Kleinen die Schuhe auch bedenkenlos ohne Socken tragen – ein herrliches Gefühl!

Oder möchtest du Taschen und Täschchen aus dem edlen Naturmaterial herstellen? Dann brauchst du unsere Tipps, um ein professionelles Ergebnis zu bekommen!

So wie unsere einfache Tasche aus Leder “Mattea”, die du dir mal anschauen kannst 🙂

Leder ist ein ganz besonderer Stoff. Und braucht deshalb beim Nähen auch besondere Behandlung. Es ist ein Naturmaterial – und obwohl es so ein robustes Äußeres zeigt, hat es einen “weichen Kern”. Das heißt: Richtig schön (und vor allem: lange schön) bleibt es nur dann, wenn es auch gut behandelt wird.


Alternative zu Leder nähen

Wenn du auf Leder tierischer Herkunft verzichten möchtest: Inzwischen gibt es eine Vielzahl an Lederalternativen aus vielen unterschiedlichen Rohstoffen. Alles darüber kannst du in unserem Blog-Artikel über veganes Leder erfahren!


Leder nähen


Genau messen und anpassen

Leder – besonders Glattleder – ist empfindlich und verzeiht keine Nadelstiche. Weil man Leder kaum auftrennen kann, ohne dass eine unschöne Stichspur zurück bleibt, solltest du möglichst genau messen und immer mal wieder checken, ob alles passt.


Leder nähen mit der Nähmaschine

Leder nähen

Unser Tipp: Erstmal an einem kleinen Probestück ausprobieren, ob Stichlänge und Fadenspannung stimmen. Am besten funktioniert das Nähen erfahrungsgemäß bei einer Stichlänge von 3,5 mm.

Bei manchen Lederarten lohnt es sich, ein bisschen mit der Fadenspannung zu spielen. Oft ist eine geringere Fadenspannung die bessere Wahl – und macht schönere Nähte!

Auch die Wahl des Nähgarns ist wichtig. Kräftiges Leder verlangt nach kräftigem Nähgarn. Und dieses widerum möchte mit einer Leder-Nadel genäht werden, durch deren Öse es leicht gleiten kann.

Da wir mit Billig-Nähgarnen so ungute Erfahrungen gemacht haben, können wir das Gütermann Extra empfehlen, das speziell für schwere Materialien wie Jeans, Planen und Leder (oder US-Post-Säcke!) eingesetzt werden kann. Ist eher in gedeckten Farben zu haben – passend zu den meisten gängigen Lederfarben.

Also: Einfach mal Nähgarn auf die Nadel fädeln und “rutschen” lassen. Wenn das problemlos klappt, hast du die richtige Nadel für dein Projekt!


Spezielle Ledernähmaschine

Es gibt spezielle Nähmaschinen, die nicht nur für die Herausforderung gemacht sind, dicke Stoffe mehrlagig zu nähen. Sie eignen sich auch für die Verarbeitung von Leder.

Die vielleicht bekannteste Heavy Duty-Maschine ist die SuperJeans von Toyota, die es schon für kleines Geld gibt.

Sie verfügt je nach Ausführung über 15, 17, 36 oder 34 Sticharten. Ihr Nähfuß ist mit besonderen Gleiteigenschaften ausgerüstet und eignet sich auch für das Nähen von Leder.


Laufrichtung und Wuchsrichtung

Leder nähen

Genau wie Stoff hat auch Leder hat eine Laufrichtung. Diese liegt quer zur Wuchsrichtung des Fells.

In Laufrichtung ist das Leder stabil und praktisch unkaputtbar. In Wuchsrichtung lassen sich manche Leder reißen.

Bei kleinen Näh-Projekten ist das nicht unbedingt beachenswert. Aber schon beim Zuschnitt von Babyschuhen sollte man darauf achten, in welche Richtung die Narbung zeigt. Es hilft, darüber zu streichen um festzustellen, welche Richtung die Laufrichtung ist: Wenn sich das Leder bei Darüberstreichen verdunkelt und glättet, ist dies auch die Laufrichtung.

Das ist wichtig, weil du sonst womöglich einen heller und einen dunkler wirkenden Krabbelschuh nähst. 🙂

Du solltest auch vermeiden, das Leder diagonal zur Laufrichtung zuzuschneiden. Dadurch kann sich dein Näh-Projekt später unschön verziehen.

Auch wenn du Kordeln oder Schnäre aus Leder schneiden möchtest, solltest du darauf achten, das nur in Laufrichtung tust. Andernfalls reißen dein neuer Rucksack-Bändel ganz fix.


Markierungen auf der Rückseite

Manches Leder nimmt auch Markierungen mit Frixxon oder Kreide übel. Auch wenn die Farbe verschwunden ist, können unschöne Streifen im Leder zurückbleiben. Daher sollten Markierungen ausschließlich auf der Rückseite gemacht werden.

Dafür eignet sich ein Koo-i-noor gut. Lies in diesem Artikel mehr darüber.

Blog-Leserin Daniela, die viel mit Leder arbeitet, empfiehlt zum Markieren einen Silberstift. Dieser ist gut zu erkennen und lässt sich problemlos wegradieren, schreibt sie.

Ich habe den Silberstift bei Amazon im 10er-Pack gefunden.


Welche Nadel, um Leder zu nähen?

Leder nähen

Leder wird meist mit einem kräftigen Garn genäht, das dann auch eine kräftige Nähmaschinen-Nadel braucht. Eine gute Investition sind spezielle Ledernadeln, die nicht nur stärker sind sondern auch besonders präzise in das Leder hineinschneiden. Durch das entstandene Loch kann der Faden leicht hindurchgleiten.

Nimm für deine Leder-Nähen-Projekt eine neue, scharfe Ledernadel. Gebrauchte Nadeln können bereits leicht verbogen oder schartig sein, was dazu führen kann, dass die Naht nicht gleichmäßig wird.


Stichlänge anpassen

Eine zu kurz eingestellte Stichlänge kann dazu führen, dass du das Leder mit der Naht praktisch durchschneidest. Für die meisten Lederarten ist die Stichlänge 3,5 optimal. Sehr dünne, feine Ledersorten vertragen auch mal 3.


Kleben bringt’s

Weil Leder und Stecknadeln einfach keine Freunde sind, versuch mal, das Schnittmuster mit Tesafilm auf dem Leder zu befestigen: Funktioniert super und macht keine Löcher im Material!


Leder zuschneiden

Achte darauf, alle Teile deines Näh-Projekts in der gleichen Richtung aufzulegen und auszuschneiden.  Das Zuschneiden an sich funktioniert am besten mit einem Rollschneider. Wenn dein Schnittmuster Kurven oder Rundungen hat, ist ein Rollschneider mit kleiner Klinge empfehlenswert. 28 mm sind super. Bei größeren Klingen kann es passieren, dass du die Kurve nicht sauber erfasst und das ganze Stück verdorben ist.

Weil ich inzwischen viele unterschiedliche Rollschneider ausprobiert habe (mit mehr oder weniger interessanten Erfahrungen), kann ich sagen, dass der von Olfa für meine Näh-Bedürfnisse mit am besten funktioniert. Ist ganz einfach, macht keine Zicken und wenn die Klinge ausgetauscht werden soll, muss ich nicht direkt den Klempner (oder die Feuerwehr) rufen. 🙂

Leder sollte immer nur einlagig zugeschnitten werden, niemals in doppelter Lage. Das gilt auch für den Zuschnitt im Stoffbruch: Durch die Dicke des Materials ist hier kein genauer Zuschnitt möglich.

Wenn es dir zu aufwendig ist, das Schnittmuster mit Klebestreifen auf dem Leder zu befestigen, kannst du statt dessen auch Stoffgewichte benutzen. Ein oder zwei Türstopper tun’s übrigens auch! 😉


Klammern und KlemmenLeder nähen

Um Lederteile zusammenzuhalten kannst du sehr gut Stoff-Clips oder kräftige Ordner-Klemmen verwenden. Sie halten deine Teile präzise zusammen ohne das Leder zu beschädigen.

Wir haben übrigens unterschiedliche Stoff-Clips ausprobiert. In diesem Beitrag kannst du nachlesen, welche es in unsere Näh-Hall of Fame geschafft haben.


Leder nähen – welcher Nähfuß ist der richtige?

Am besten lässt sich Leder mit einem Teflonfuß nähen. Auf diese Weise “klebt” das Material nicht am Fuß. Der Teflon-Fuß ist generell eine gute Anschaffung, wenn du außerdem gerne Wachstuch, beschichtete Baumwolle, Kunstleder oder PVC-Folie (eine Nähanleitung für Täschchen aus Vinly findest du HIER) verarbeitest.

Alternativ kannst du auch einen Obertransport-Fuß ausprobieren.

Ganz toll funktioniert bei Leder übrigens auch ein Rollenfuß. Damit hat das Leder keine Chance, sich gegen das Nähen zu sperren und wird sauber transportiert. Was gleichzeitig bedeutet: Die Naht wird gleichmäßig!


Nach dem Nähen: Leder reinigen

Falls du dir schon mal die Frage gestellt hast, ob man Leder waschen kann, ist die klare Antwort: Jein. 🙂

Hergestellt wird Leder natürlich aus der Haut von Tieren. Diese wird gegerbt und ihrem Verwendungszweck nach weiterverarbeitet. Je nach Verarbeitung verträgt das Material mehr oder weniger Feuchtigkeit.

Grundsätzlich kann man Leder schnell verderben, wenn man mit zuviel Wasser in Berührung bringt. Das gilt vor allem für feine Velours-Leder. Hier ist das Motto: Lieber bei Verschmutzung die Flecken trocknen lassen und anschließend mit einer speziellen Velours-Bürste ausbürsten.

Diese Bürsten haben auf der einen Seite kurze, kräftige Metallborsten, die das Leder reinigen, gleichzeitig aber keinen Schaden anrichten. Mit der Krepp-Seite, die aus einer gewellten Gummi-Schicht besteht, raut man anschließend das Leder wieder auf.

Leder nähen

Spezielles Waschleder, das meist vom Lamm kommt, ist so vorbehandelt, dass auch bei wiederholtem Waschen das Leder weich bleibt und seine Form behält.

Glattleder lässt sich gut mit einem speziellen Pflegemittel reinigen. Allerdings sollte den Reiniger auch hier nicht zu lange oder zu stark eingearbeitet werden, sonst kann es zu Aufhellungen oder Verfärbungen kommen.

Nappaleder kommt von Kalb oder Schaf. Es ist ein besonders weiches, aber strapazierfähiges Leder, das oft für Kleidung verwendet wird. Es ist durchgefärbt und so behandelt, dass es auch Nässe und Schmutz widerstehen kann.

Häufig genügt es, Leder einfach mit einer geeigneten Lederbürste zu reinigen.

Leder nähen

Leder nähen


Was kann man aus Leder nähen?

Ganz toll sind große und kleine Taschen, die durch das Material schön robust sind. Anregungen findest du in unserer Freebook-Sammlung Taschen nähen.

Auch die Kombi mit anderen Materialien ist genial, zum Beispiel mit Filz, der eine ähnliche Stärke aufweist wie das Leder selbst. Als Startprojekt kannst du ja mal unser schnelles Handytäschchen nähen.


Wo kann man Leder zum Nähen kaufen?

Wenn du erste Erfahrungen im Umgang mit Leder nähen machen willst, lohnt der Kauf einer Packung Lederreste.

Du kannst auch mal schauen, ob nicht ein Möbelhaus in deiner Nähe einen Satz Ledermuster abzugeben hat. Daraus lassen sich auch viele tolle Kleinigkeiten nähen!

Auch bei Amazon wird man fündig, was Leder angeht. Dort habe ich schon mehrfach Lederpakete bestellt. Es gibt sie nach Farben und Größen sortiert. Ein Klick auf die Bilder bringt dich direkt zum jeweiligen Lederpaket.


Auch ganz witzig: Eine Quaste aus Leder nähen – schau dir die Anleitung mal an 🙂

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5 Kommentare

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5 Kommentare

Daniela 7. April 2018 - 10:31

Guten Morgen ☀,
ich habe gerade die Tips zum Thema Leder gelesen und möchte etwas ergänzen. Ich verarbeite sehr viel Leder und gerade bei Markierungen auf dunklem Leder möchte ich auf meinen SILBERSTIFT nicht mehr verzichten. Er schreibt sogar auf glattem, schwarzen Leder und lässt sich hinterher problemlos weg radieren. Es gibt ihn zum Beispiel im Lederhaus in Duisburg, auch online. Ansonsten, vielen lieben Dank für die ganzen tollen Nähtips!!!
Alles Gute weiterhin und liebe Grüße, Daniela 😊

Antworten
SewSimple 7. April 2018 - 11:03

Toller Tipp, Daniela! Dankeschön!

Antworten
Claudia Möller 7. April 2018 - 19:20

Hallo, ich hätte gern gewußt, ob es möglich ist mit einer Haushaltsmaschine auch mit stärkeren Garnen als Unterfaden zu nähen. Sodaß das stärkere Garn auf Ober- und Unterseite sichtbar ist. Ich habe leider bisher die Erfahrung gemacht, daß meine Nähmaschine das nicht will. Gibt es eventuell dafür andere Spulenkapseln? Herzliche Grüße Claudia

Antworten
SewSimple 7. April 2018 - 20:27

Hallo Claudia, die Lösung mit der Spulenkapsel kann ich mir nicht vorstellen.
Wenn du oft mit Leder nähst, würde ich eher zu einer speziellen Ledermaschine raten.
Ich habe sie im Beitrag vorgestellt und verlinkt.
Vielleicht hilft dir das ja weiter?
Liebe Grüße
Sabine

Antworten
Nico Mertens 22. Juli 2019 - 18:20

Hallo Claudia,
Der Post ist zwar schon älter, aber vielleicht hilft es dem ein oder anderen auch.
Wenn man zwischendurch mal weiches, eher dünneres Leder näht, wird man mit einer Haushaltsnähmaschine klar kommen.
Bei starkem Leder oder mehreren Lagen sind Industrienähmaschinen die bessere Wahl. Die sind mit einem stärkeren Motor und Dreifach-Transport (Unter-, Nadel- und alternierendem Fuß-Obertransport) ausgestattet. Das gewährleistet optimalen Transport des Leders, auch bei mehreren Lagen. Zick-Zack kann meine Industrie-Nähmaschine nicht. Dafür aber Stiche bis 9mm Länge und richtig dickes Garn. Den Kniehebel und die Nadel “Hoch-Tief-Automatik” hätte ich gern an auch an meiner Pfaff. Die Laufruhe ist ein weiterer Pluspunkt – und das bei bis zu 2500 Stichen/min. Einen Nadeleinfädler wird man vielleicht vermissen.

Ein Kompromiss vor diesen sehr professionellen Maschinen stellt vermutlich die Janome HD9 dar. Die hat zudem eine Abschneideautomatik. Die Jeans-Maschine von Toyota wäre ggfs. auch noch eine Idee.

Leider haben nur wenige Händler auch eine richtige Industriemaschine im Laden stehen, da diese mit Tisch viel Platz in Anspruch nimmt und oft nach Kundenwunsch konfiguriert wird. Die Einarbeitung ist ähnlich zu anderen Maschinen, aber doch empfehlenswert, da diese Maschinen andere Kenntnisse voraussetzen. Industriemaschinen sind sehr robust. Für den Hausgebrauch gibts es auch 230V Versionen und ohne Fadenschneider (Fadenschbeider sind oft Druckluft betrieben und nicht immer leise…)
Dann kann man auch nachts mal nähen… 😉

Ich habe eine einfache Typical GC 20665 und bin damit sehr glücklich. Plane, Autoverdeck, Leder, Feuerwehrschläuche und anderes Nähgut wird ohne Murren vernäht. Es ist eine Wonne diese satten Geräusche zu hören und die Ergebnisse sind sprechen für sich.

Man sollte allerdings gleich genug Nadeln bestellen, die gibt’s vielleicht nicht im “normalen” Nähladen.

Viele Grüße
Nico

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